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Kultur
11/14/2021

Der Wiener Marathon-Mann unter den großen Dirigenten

Daniel Barenboim spielte mit der Staatskapelle Berlin im Wiener Musikverein Werke von Schumann und Brahms

Es sind wahre Daniel-Barenboim-Festspiele, die im Wiener Musikverein stattfinden. Gleich vier Konzerte gab der Maestro mit „seiner“ Berliner Staatskapelle an vier Tagen. Ab 21. November ist Barenboim dann in seiner Funktion als Pianist an vier Abenden mit seinem Beethoven-Sonaten-Zyklus im Goldenen Saal zu erleben. Und am 1. Jänner 2022 kehrt als Dirigent für das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker an diesen Ort zurück.

Die Zahl vier wiederum spielte auch beim Gastspiel der Staatskapelle eine wichtige Rolle. Denn auf dem Programm standen – wie bei Barenboim üblich in chronologischer Reihenfolge – alle vier Symphonien aus der Feder von Robert Schumann und Johannes Brahms. Soll heißen: Die Erste Schumanns kombiniert mit der Ersten Brahms’ und so weiter.

Ausgewogen

Was dabei zu hören war? Klassische, ausgewogene Interpretationen, der satte Klang der Staatskapelle, feine solistische Leistungen und ein Dirigent, der bei diesen romantischen Werken eher mit dem dicken Pinsel zu malen versteht. Dass unendlich viele, feine Details dennoch hörbar wurden, versteht sich bei diesem Meister seines Fachs von selbst.

Dies fand seine Fortsetzungen auch in den folgenden Aufführungen. Exemplarisch für die Eleganz von Barenboims Dirigat war Schumanns Dritte in Es-Dur, die „Rheinische“ genannt. Herrliche Kontraste und wunderbar wogende Klangbilder entfalteten sich da im Goldenen Saal. Beckmesserisch anzumerken, dass die Bläser im ersten Satz einmal nicht so präzise intonierten.

Die Dritte von Brahms war ein Musterbeispiel für die Kunst der akkuraten Feinzeichnungen dieses Maestros. Jedes Motiv arbeitete er deutlich heraus, schlug den Bogen zu deren Vorgängerinnen. Das Schöne: er ließ die Musik richtig atmen.

Der Reihe nach

Die beiden Vierten wurden zum veritablen Höhepunkt dieser Konzertreihe. Wie er den Visionär Schumann bei dessen Symphonie in d-Moll vorstellte, war fulminant. Diese vier Sätze waren wie aus einem Guss. Messerscharf gerieten die Kontrastierungen zwischen den als „langsam“ und „lebhaft“ bezeichneten Passagen.

Die Symphonie in e-Moll von Brahms leuchtete Barenboim genau aus. Die oft zum Schwelgen einladenden Passagen gestaltete er mit vornehmem Ernst, verstörend schön die weichen Piano-Passagen. Aus dem konzentriert spielenden Orchester sind Horn, das mit außerordentlicher Virtuosität bestach, Klarinette und Flöte hervorzuheben. Lang anhaltender Jubel!

Peter Jarolin, Susanne Zobl

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