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Kultur
07/31/2012

Der Name der Rose - Von Umberto Eco

Ecos historischer Roman lässt sich auch als intellektuelles Kreuzworträtsel lesen: Praktisch jedes Wort, jeder Name verbirgt einen doppelten Sinn.

Als "Der Name der Rose" 1980 in Italien erschien, ließen die Übersetzungen nicht lange auf sich warten. In kürzester Zeit ging die spannende Melange aus historischem Roman und Krimi um die Welt – Umberto Eco wurde zum international gefeierten Schriftsteller.

Bis heute hat sich der Roman mehr als 25 Millionen Mal verkauft. Der Plot des Buches dürfte – schon durch die Verfilmung mit Sean Connery in der Hauptrolle – bekannt sein: 1327 klärt der Franziskanermönch William von Baskerville in einem einsamen, im italienischen Apennin gelegenen Kloster eine unheimliche Mordserie auf. Begleitet wird er vom Ich-Erzähler Adson von Melk, der am Ende seines Lebens die Geschichte aufschreibt. Nur Kenn Folletts 1990 veröffentlichtes Buch "Säulen der Erde" hatte ähnlich großen Erfolg, gab der Gattung derart starke Impulse. Aber Folletts Werk erschien genau ein Jahrzehnt nach Eco.

"Der Name der Rose" bleibt das erste Werk einer Variante des modernen historischen Romans, der auch gern als "postmodern" bezeichnet wird. Dieser Begriff beinhaltet den Zweifel am Innovationswahnsinn der Moderne und meint formal die Kombination unterschiedlichster Stilmittel aus der Vergangenheit. Letzteres zumindest trifft auf Ecos Meisterwerk zu: Der 1932 im Piemont geborene Autor mischt die unterschiedlichsten Gattungen, Stilelemente und historischen Bezüge. Tatsächlich lässt sich "Der Name der Rose" auch als intellektuelles Kreuzworträtsel lesen: Praktisch jedes Wort, jeder Name verbirgt einen doppelten Sinn. So erinnert die Anrede "Mein lieber Adson" nicht umsonst an Sherlock Holmes berühmte Worte "Mein lieber Watson", zumal der mittelalterliche Detektiv auch noch nach einer der berühmtesten Erzählungen Arthur Conan Doyles benannt ist: "Der Hund von Baskerville".

Die rasch aufeinanderfolgenden Morde könnten so in einem Krimi von Agatha Christie geschehen, der blinde Mönch Jorge von Burgos meint den ebenfalls erblindeten argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges. Eco selbst wies außerdem darauf hin, dass die im Roman gegeneinander antretenden Mönchsorden auf politische Auseinandersetzungen im Italien der 1970er-Jahre anspielen. Eine Meta-Ebene ist also immer präsent, bis hin zum geheimnisvollen Titel. In seiner "Nachschrift" zum Roman schreibt Eco: "Die Idee zu dem Titel ,Der Name der Rose’ kam mir wie zufällig und gefiel mir, denn die Rose ist eine Symbolfigur von so vielfältiger Bedeutung, dass sie fast keine mehr hat."

So vielschichtig das Buch auch ist, man muss nicht jede Anspielung verstehen. Ecos Meisterschaft zeigt sich gerade darin, dass der Roman auch ohne dieses Netz aus Bezügen mit größter literarischer Wucht wirkt: als spannende Kriminalgeschichte und faszinierendes Tableau des hohen Mittelalters. Selten wurde vorher oder nachher diese Zeit lebendiger, fühlte man sich einem Franziskanerbruder, seinem Kampf gegen Hexenwahn und Inquisition, näher. Selbst Ecos manchmal weitschweifig scheinende Ausführungen über Gott und die Welt führen mittelbar zu einem gemessenen, schreitenden Duktus, der großartig zum Mittelalter passt. Anders als manchmal in seinen späteren Büchern, fühlt man sich hier nie von Professor Ecos Wissen erschlagen, sondern saugt die Informationen begierig auf. Schon in "Das Foucaultsche Pendel" von 1988, aber noch mehr in den 1994 und 2000 erschienenen Romanen "Die Insel des vorigen Tages" und "Baudolino" kippte dieses Gleichgewicht. "Der Name der Rose" aber ist perfekt ausbalanciert, ein immer wieder lesenswerter historischer Roman, der eine ganze Gattung revolutionierte.

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