Kultur
28.10.2018

Der ganz ganz kleine Nick

Vor den berühmten Erzählungen von Goscinny und Sempé erschienen 28 Comic-Strips (Bild: Ausschnitt aus dem Buchcover, Diogenes Verlag)

Wie alles begann ... Beim kleinen Nick weiß man es.
Bevor „Petit Nicolas“ berühmt wurde, bevor die Geschichten von René Goscinny (später Autor von Asterix und Lucky Luke) und dem Zeichner Sempé berühmt wurden, gab es ihn – als farbigen Comic-Strip.
Veröffentlicht nur von September 1955 bis Mai 1956 in dem belgischen Magazin Le Moustique. Danach kam die Verwandlung: Mehr Text von Goscinny und jeweils drei, vier Schwarz-Weiß-Illustrationen von Jean-Jacques Sempé.


Trommelwirbel

Ab 1960 gab es die ersten Sammelbände. Acht wurden es. Plus fünf Hörbücher. Plus zwei Kinofilme. Plus Zeichentrickserie.
Die 28 Comic-Strips wurden vergessen, sogar von Sempé, wie der Franzose erzählt; und so sind sie zu einem Schatz geworden, den man jetzt gehoben hat.
Erstmals liegen die Bildergeschichten als Buch vor; auf Deutsch seit voriger Woche. Als es 2017 zunächst in Frankreich auf den Markt kam,schrieb die Zeitung Le Figaro: „Trommelwirbel, Applaus.“
Sempé, kürzlich 86 Jahre alt geworden (Goscinny starb 1977 beim Herzbelastungstest auf dem Fahrrad): „In ‚Der Kleine Nick‘ geht es in erster Linie um Freundschaften. Und es ist eine Geschichte, die ohne unsere Freundschaft nicht möglich gewesen wäre ... Wir waren wie zwei Musketiere.“
Wie kleine Musketiere – denn nur weil dieses Team die kindliche Denkweise ernst nahm, konnte ein so treffender Blick auf die spinnerten Erwachsenen geworfen werden.
Nur weil sich Goscinny – er wuchs wegen des Berufs seines Vaters in Buenos Aires auf und ging dort in eine französische Schule –   so gut an die eigene Jugend erinnern konnte.

Tuut-tuut

Der 60 Jahre alte Humor ist nicht antiquiert. Man schmunzelt sofort über diesen Buben.
Anfangs ist Nick noch etwas pummelig. Auch hat er noch nicht seine Schulfreunde für Streiche und kennt noch nicht  Luischen, die Nick später einmal heiraten möchte.
Aber er kann schon den Nachbarn sekkieren und seinen Vater sowieso. Im allerletzten Comic-Strip hat er ihn soweit: Papa fährt Rad und macht tuut-tuut-tuut, und eine fremde Frau sagt: „Armer Kerl. Schon schlimm, wenn man so früh verblödet.“

 

Goscinny/Sempé:
„Der kleine Nick. Wie alles begann“ Diogenes Verlag.
48 Seiten. 18,50 Euro