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Kultur
10/21/2019

Der einzige Roman von Lampedusa: Und es war doch ein Leopard

Endlich ist ein Stück italienische Weltliteratur nicht mehr lächerlich. Die neue Übersetzung von Burkhart Kroeber bereitet der Pardelkatze ein Ende.

von Peter Pisa

Wer Burt Lancaster in Viscontis Verfilmung als sizilianischen Fürst Don Fabrizio gesehen hat - Foto oben mit Alain Delon -, der wird ihn wahrscheinlich eher nicht mit einem ... Ozelot vergleichen wollen bzw. mit einer Pardelkatze, felis pardalis, wie die Zoologen sagen: Eine Kleinkatze ist das, die nicht einmal brüllen kann, weil ihr Zungenbein verknöchert wird.

Sondern er ist „Der Leopard“.

Katzerl

Eigentlich ist es das Wappentier des Fürsten, aufrecht stehend und mit Löwenmähne; und als Giuseppe Tomasi di Lampedusas Roman, sein einziger, 1959 erstmals ins Deutsche übertragen wurde, hieß „Il gattopardo“ – „Der Leopard“ .

... bevor er in der zweiten Übersetzung 2004 von einer Schweizerin zum Katzerl gemacht wurde und plötzlich sehr seltsam „Der Gattopard“ hieß.

Mit „Die Pardelkatze“ hätte man den Klassiker noch brutaler umbringen können.

Die Begründung der Übersetzerin war, Lampedusa – der den Text übrigens nicht fertig abschließen konnte, weil er an Lungenkrebs starb – habe schon im Titel den Niedergang des Adels und den Beginn der neuen Zeit ironisch ausdrücken wollen.

Das hat Burkhart Kroeber nicht ausgehalten.

Der Deutsche ist 79. Er half mit seinen Übersetzungen fest mit, dass Umberto Eco („Der Name der Rose“) und Italo Calvino („Wenn ein Reisender in einer Winternacht“) im deutschen Sprachraum so gut Fuß fassen konnten.

Kein Fernrohr

Das hat er nicht ausgehalten, weil Lampedusas Buch in eine Reihe mit Joyce, mit Proust gehört. Schlimm genug, dass viele glauben, es sei das „Buch zum Film“.

Kroeber fand heraus: „gattopardo“ ist sizilianischer Dialekt für – Leopard. Dieses Wissen läutete das Ende der Pardelkatze ein.

Und dann hat er für den Münchner Piper Verlag aufgeräumt.

Denn seine Vorgängerin ließ italienische Dialektwörter einfach unübersetzt, der Neffe tituliert Don Fabrizio ständig als „zione“, und niemand erfährt, dass das „großer Onkel“ heißt. Statt „Handtasche“ wird „Ridikül“ verwendet, statt „Fernrohr“ steht da „Perspektive“ usw.

Und dann, der Höhepunkt, sagt der Fürst tatsächlich irgendetwas – Zitat – „mit pardelkaterschem Lächeln“. So wurde ein Klassiker lächerlich.

Noch ein Beispiel, bloß eine Kleinigkeit. Erste Übersetzung 1959: „Man bedankte sich beieinander ...“

Zweite Übersetzung 2004: „Sie bedankten sich höflich gegenseitig ...“

Burkhart Kroeber 2019: „Sie dankten einander ...“

So geht’s, nach 60 Jahren.

 

Giuseppe
Tomasi di
Lampedusa: „Der Leopard
Neu übersetzt von Burkhart
Kroeber.
Piper Verlag. 400 Seiten.
24,70 Euro.

KURIER-Wertung: *****

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