© Septime Verlag, mit freundlicher Genehmigung des Autors

Kultur
07/13/2019

Der andere Murakami schaut finsterer und schreibt finsterer

Zwei Bände, ein Roman: "In Liebe, dein Vaterland" ist der Titel. Psychopathen kämpfen gegen Nordkorea.

Nehmen wir an, Haruki Murakami ist ... die Beatles .
Dann  ist  Ryū Murakami die Rolling Stones.
Mit Bedauern muss festgestellt werden, dass dieser hübsche Vergleich von einem Kollegen der Financial Times stammt.
Haruki schreibt gern romantische Märchen, in denen Nat King Cole und Louis Armstrong auftreten, Ryū  bohrt lieber in Wunden, dazu nimmt Wes Montgomery die Gitarre, und Wynton Kelly sitzt am Klavier.

Modeschau

„In Liebe, Dein Vaterland“ zeigt schreckliche Menschen. Einer züchtet tödliche Insekten. In seiner Wohnung sind mehrere fensterlose Zimmer für sie reserviert.
Ein anderer kann den Bumerang so werfen, dass Köpfe abgeschnitten werden.
Das ist das Lustigste an den beiden Büchern, die einen Roman ergeben: Ausgerechnet diese Psychopathen, Soziopathen, Satanisten und Terroristen, die von der japanischen Gesellschaft ausgespuckt wurden, könnten Japan retten.
(Die Modeschau, in der Kampfanzüge samt Waffen vorgeführt werden, und  „Santa Lucia“ ertönt, ist aber auch recht heiter.)
Erster Teil, „Die Invasion“: Japan ist in naher Zukunft wirtschaftlich ruiniert, das nutzt Nordkorea aus. Ein volles Baseballstadion wird besetzt, Geiseln werden genommen. Später sollen 120.000 Soldaten folgen. Wer etwas dagegen hat, bekommt einen Draht in die Nase gebohrt und wird an dieser Leine ins Lager abgeführt. Die USA helfen nicht, man ist kriegsmüde, will nicht  mehr Weltpolizei sein.
In diesem Buch ist viel, aber nicht zu viel Politik, und viele schrecklich schönen Einzelheiten bereiten den Boden für Teil zwei, „Der Untergang“:
Nun wird versucht, die Invasoren mit giftigen Fröschen, Hundertfüßern und  Keksen mit eingearbeitetem Sprengstoff  loszuwerden.
Was nicht heißt, dass  Ryū   Murakami - Foto oben - auf Mitteilungen über Vorhautverengungen und  Tofutäschchen, die mit Sushireis gefüllt sind, verzichtet.
„In Liebe, Dein Vaterland“ (übrigens der Deckname der nordkoreanischen Aktion) liest sich wie ein Bericht, der bekannt macht, wie schnell sich der Wind dreht.
Ursula Gräfe übersetzt beide Murakami ins Deutsche.  Bei Ryū   mag sie besonders die Bösen, sie und der Wiener (Septime-)Verleger Jürgen Schütz fürchteten ums Leben des koreanischen Folterknechts Choi Hyo-il!
Auch das zeigt, wie seltsam wir sind; und wie  Ryū  Murakami mit uns spielt.

 

Ryū Murakami: „In Liebe, dein Vaterland“ 1. Teil: Die Invasion, 2. Teil: Der Untergang. Übersetzt von Ursula Gräfe. Septime Verlag. Je 26,70 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern