"Man braucht auch viel Glück"

Ein Mann im Kostüm lässt auf einer Bühne einen Drachen steigen, während Kinder zusehen.
Der Schotte begeistert als Bert in "Mary Poppins" und kennt die Härten des Showbusiness.

Mehr als 120.000 Besucherinnen und Besucher seit der Premiere vergangenen Oktober: Das Broadway-Musical "Mary Poppins" im Ronacher ist ein Publikumshit. Bis zur letzten Vorstellung am 27. Juni sind nur noch Restkarten erhältlich.

Neben der bezaubernden Annemieke van Dam in der Titelrolle glänzt der Schotte David Boyd als liebenswerter Bert in verschiedenen Rollen vom Rauchfangkehrer, Straßenmaler bis zum Lampenanzünder. Ein Erfolgsgeheimnis dieses Musicals von Disney und Cameron Mackintosh liegt in der fulminanten Choreografie Matthew Bournes, die Geoffrey Garratt für Wien adaptierte.

KURIER: Sie tanzen, steppen und singen als Bert. Als Tarzan sind Sie in Hamburgs Musicaltheater Neue Flora von Liane zu Liane geschwungen, jetzt gehen Sie die Wände hoch, steppen kopfüber auf dem Bühnenportal und singen dazu. Fühlen Sie sich manchmal auch als Stuntman?

David Boyd: Ja, ein bisschen! Akrobatik gehört dazu, bei mir insbesondere Flugakrobatik. Dabei hatte ich als Kind Höhenangst, konnte in keinem Lift mit Glasscheiben fahren.

Der starke Wille, Unmögliches zu ermöglichen, gehört auch zu Bert! Wie kamen Sie zum Tanz?

Schon als kleines Kind liebte ich Filme mit Fred Astaire. Ich habe dann vor dem Fernseher immer nachgetanzt, und meine Eltern schickten mich in eine Ballettschule. Mit elf wusste ich, dass ich Tänzer werde, von 12 bis 17 lernte ich in der staatlichen Schule des Schottischen Nationalballetts in Glasgow, in der ich auch Gesangsstunden hatte. Ich wollte schnell ins Berufsleben, tanzte einige Monate auf einem Kreuzfahrtschiff und ging mit 18 nach Deutschland, zu Peter Maffays Musical " Tabaluga & Lilli".

Sie sind seither in vielen freien Musical-Produktionen aufgetreten. Die Engagements erfolgen nach Auditions. Wie sind Sie zur Wiener "Mary Poppins" gekommen?

Auditions sind eine Kunst für sich. Oft sind 200 Menschen in einem Zimmer, und auf der Bühne hat man kaum Platz. Dabei sollte man offen und konzentriert bleiben, um in wenigen Minuten eine vorgegebene Choreografie zu lernen. Danach kommt eine ähnliche Situation mit dem Vorsingen, alles vor einer Jury mit mindestens zehn Fachleuten. Aus Kollegen und Freunden werden in dieser Zeit Konkurrenten. In der Musical-Branche braucht man auch viel Glück, um ein Engagement zu bekommen. Als ich von "Mary Poppins" in Wien hörte, dachte ich "Bert – das bin ich ..." weil ich diese Rolle so mag.

Steht Bert, den viele durch die Interpretation Dick Van Dykes aus der Verfilmung kennen, für einen Künstler schlechthin?

Das kann gut sein. Er ist ein Freigeist. Vielleicht war er einst ein Problemkind wie Michael Banks. Bert weiß, wie man sich im Leben glücklich macht. Er hat viel von Mary Poppins gelernt, nutzt ihre Magie, ist in sie verliebt. Ich habe ein Video von einem Mann gesehen, der Straßenkehrer in Rio war. Im Karneval aber wurde er König, weil er so gut tanzte und die Menschen berührte.

Was ist das Besondere an der facettenreichen Choreografie von Matthew Bourne?

Sie fordert 100 Prozent Energie. Die überträgt sich auf das tolle Publikum in Wien, das so begeistert reagiert! Bourne entwickelt Choreografien und Bewegungen, die viel erzählen. In manchen Szenen führte er auch Regie. "Mary Poppins" ist wie ein Spaziergang in ein Bilderbuch, sehr theatralisch und erzählt eine wunderbare Geschichte, in der auch soziale Aspekte nicht zu kurz kommen.

Zur Person: Gelernter Tänzer

Biografie Der Schotte kam über den Tanz zum Musical. Ausgebildet an der Scottish Ballet Dance School in Glasgow spielte er eine erste Rolle im deutschsprachigen Raum in Peter Maffays Tabaluga & Lilli“. Danach spielte er in „Cats“, „Saturday Night Fever“, „Starlight Express“. In Hamburg war er als „ Disney’s Tarzan“ zu sehen.

Eindrücke aus "Mary Poppins"

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