Kultur
28.09.2018

David Bowie's Musical „Lazarus“ in Linz mit blutleerem Alien

Die neue Produktion am Landestheater Linz schwächelt musikalisch genauso wie in der Inszenierung.

Als „existenzielle Sinnsuche “ inszenierte Regisseur Ivo Van Hove das David-Bowie-Musical „Lazarus“, als es Ende 2015 in New York Uraufführung hatte. Er machte aus dem Stoff, den David Bowie mit dem Dramatiker Enda Walsh rund um 17 seiner Songs geschrieben hatte, ein nachhaltig beeindruckendes Stück über zerrüttete Seelen, die sich zwischen zerbrochener Liebe und zerplatzen Träumen an Trugbilder der Hoffnung klammern.

In der Produktion des Landestheaters Linz, die Donnerstag Premiere hatte, blieb davon nicht viel übrig. Johannes von Matuschka visualisiert die Story, die eine Fortsetzung des mit David Bowie verfilmtem Romans „The Man Who Fell To Earth“ ist, in einem Leichenschauhaus. Dort wacht der Alien Thomas Jerome Newton auf, sehnt sich nach seiner großen Liebe Mary-Lou und betäubt den Schmerz darüber, dass er weder sterben noch zurück auf seinen Heimatplaneten kann, mit Gin. Bis ein Mädchen auftaucht, das ihm helfen will.

Matuschka füllt die Lücken, die das Original-Skript von „Lazarus“ im Storytelling gelassen hat, mit eigenen Visionen, die Träume Newtons sein sollen. Zwischen Bowie-Songs wie „Lazarus“ oder „Changes“ gibt es viel atmosphärische Musik und längere Spielszenen ohne Dialoge. Aber das schmälert die Kraft, die die Ansammlung der Schlaglichter auf die Sinnsuche der Hauptfiguren in der Original-Produktion hatte. Es verwirrt – genauso wie die Tatsache, dass Matuschka zwei Charaktere von einem Darsteller spielen lässt.

Geschniegelt

Newton wird in Linz von Riccardo Greco gespielt und schön gesungen. Musicalmäßig schön. Grecos Stimme ist genauso geschniegelt und glatt wie seine Frisur. Die Nöte des Mannes, der innerlich zerbricht, dessen entrückte Distanz, kann er mit seiner blutleeren Darstellung nicht spürbar machen. Da hilft es auch nicht, dass Matuschka ihn häufig schreien und manisch mathematische Formeln in die Luft schreiben lässt.

Ein wenig charismatischer als Sängerinnen sind da schon Hanna Kastner in der Rolle des rettenden Mädchens und Ariana Schirasi-Fadi, die Newtons Assistentin Elly spielt. Aber auch sie können nicht ausgleichen, dass die Bowie-Songs von der Band (unter der musikalischen Leitung von Christopher Mundy) ohne jede Raffinesse, ohne Feuer und oft auch zu frei interpretiert wiedergegeben werden.

Es gibt einiges zu sehen und zu hören bei der Linzer „Lazarus“-Produktion. Aber wenig macht Sinn und kaum etwas berührt. Am ehesten tun Letzteres noch Bowie-Hits wie „Life On Mars?“ oder „All The Young Dudes“. Aber das liegt an ihrer Qualität, nicht an der Interpretation.

Was übrig bleibt, ist der Eindruck der düster-grauen Bühnendeko. Und die Erinnerung an ein paar interessante, vom Ars Electronica Futurelab gestaltete visuelle Effekte, die das Ganze zusammenschweißen sollen – aber nicht können.