© Vsevolod Ledovski

Kultur
09/25/2019

Das Waves-Festival startet heute mit Spießbürger-Schrecks

Die russische Aufsteiger-Band Shortparis eröffnet das Waves-Festival und liebt den Wiener Aktionismus und Hermann Nitsch.

von Brigitte Schokarth

„Dem Wiener Aktionismus fühlen wir uns eng verbunden“, sagt Nikolai Komyagin, Sänger der russischen Indie-Band Shortparis im KURIER-Interview. „Wie Hermann Nitsch wollen wir bürgerliche Normen sabotieren.“

Das Resultat ist ein spannender, frischer Sound, der düstere Elektronik mit harten Industrial-Klängen mischt und süße Melodien über dämonische Beats legt. Noch spannender ist die Bühnenshow, die Shortparis am heutigen Eröffnungsabend des Waves-Vienna-Festivals um 1.15 Uhr in der WUK-Halle zeigen wird. Das Wort exzessiv ist für die Performance des Quintetts nämlich fast untertrieben. Als „ schweißtreibende Messe bis zur totalen Verausgabung“ bezeichnete einmal ein Kritiker die Konzerte.


Shortparis selbst haben andere Worte dafür: „Wir bieten ein Audiotheater – eine Kombination aus griechischer Tragödie und pubertärer Wollust, den Hintergrund für Hysterie, Sex und Ironie!“

Gegründet wurde Shortparis, als Nikolai mit zwei Freunden aus einer frühen Band von der trostlosen Industriestadt Nowokusnezk in Sibirien 2012 nach St. Petersburg zog.

Nowokusnezk war vom Hard Rock dominiert, und es ging nur ums Überleben. Viele Künstler hörten auf, weil sie nie Erfolg hatten. Als der Sänger einer befreundeten Band Selbstmord beging, wollten wir weg.“

In St. Petersburg trafen sie auf eine gerade erblühende Alternativ-Szene, auf den Perkussionisten Danila Kholodkov und den experimentellen Gitarristen Alexander Galyanov. Danila war Tänzer, wurde zum zweiten Frontmann und lehrte Nikolai mit seiner expressiven Bühnenpräsenz, „wie auch ich das Biest in mir rauslassen konnte“.

In den Themen der Songs, die sie in Russisch, Englisch und Französisch singen, beschränkten sich Shortparis bis jetzt auf innere Konflikte, Ängste und persönliche Dramen. Mit politischen und sozialen Kommentaren wollen sie erst mit dem nächsten Album aufwarten.

 

Allerdings: „Viele Bands und Künstler, die zur Zeit aus Russland rauskommen, zeichnen ein sehr negatives Bild von unserem Land. Und auch die westlichen Medien wollen die Zustände bei uns viel schlimmer darstellen, als sie sind. Das ist ein Spiel, bei dem wir nicht mitmachen. Wir hatten wegen unserer Show und unserer Musik auch noch nie Schwierigkeiten mit Behörden. Probleme gab es immer nur mit Leuten aus dem Publikum, die uns für zu extrem hielten.“

 

Das Festival findet von 26. bis 28. September statt. Auf neun Bühnen im und rund um das WUK in Wien treten über 100 aufstrebende Acts der Indie-Szene auf. Zeitplan und Karten gibt es unter: www.wavesvienna.com

Programm-Highlights

26. 9.: Hildur Höglind (21.15 Aula)
27. 9.  WUK-Halle: Cassia ( 21.00)  Marissa Nadler  (US, 22.15), Dan Mangan (1.00)
28. 9.  Soia (21.15 Open Air), The Magnettes (23.45 Aula)

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