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Kolumne
06/22/2020

Das Festival an der Litfaßsäule

Die Kunstwelt dezentralisiert sich in Post-Corona-Zeiten. Doch wie gibt es dann noch "Festivals" und "Szenen"?

von Michael Huber

Die Abschlussveranstaltung des Studienjahres an der Universität für angewandte Kunst war einmal eine Ausstellung („The Essence“), 2019 wurde sie aber zum „Festival“ umdefiniert. Und auch heuer soll es, Corona hin oder her, ein „Festival“ geben, nur irgendwie anders eben.

Die Presseverantwortliche der Uni gab sich neulich redlich Mühe, mir diese Andersartigkeit zu vermitteln. Am Ende hatte ich bloß begriffen, dass das „Festival“ heuer unter anderem an 23 Litfaßsäulen, verteilt auf alle Wiener Gemeindebezirke, stattfinden würde, außerdem auf drei Kleinlastwägen, die von früh bis spät durch die Stadt düsen und mit etwas Glück online zu orten sein würden.

Das Zitat „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ erhält angesichts dieses Programms ganz neue Dimensionen: Das kulturelle Angebot will nicht nur sinnlich und intellektuell erfasst, sondern zuerst noch aufgespürt und gefunden werden.

Neue Präsentationsformen

Das Angewandte-Festival ist dabei nur ein Beispiel für diese neuartige Form des Kulturerlebens: Angesichts der Corona-bedingten Beschränkungen sucht die Szene allerorts nach neuen Präsentationsformen, drängt in den öffentlichen Raum und an alternative Orte.

Dass vom Publikum dabei verlangt wird, seine Trampelpfade und Rituale – von Galerie-Hotspot A zu Vernissage B – zu verlassen, ist im Grunde auch eine gute Sache: Wer sich selbst nicht schon einmal in einer gewissen Behäbigkeit des Kulturkonsums ertappt hat, der werfe das erste Lachsbrötchen.

Dennoch wird ein „Festival“, das nicht für begrenzte Zeit eine Atmosphäre der Verdichtung erzeugen kann, seinen Namen nicht verdienen. Ebenso kann eine „Szene“ nicht existieren ohne Orte, an denen sich etwas abspielt. Die Corona-Krise hat uns alle Defizite des Digitalen in dieser Hinsicht vor Augen geführt – überraschend ist nur, wie unzureichend viele Alternativen derzeit anmuten.

Ach ja: Auch das Angewandte-Festival findet zu einem guten Teil im Netz statt. Auf www.angewandtefestival.at gibt es ab morgen, Dienstag, bis zum 26.6. ständig Programm.

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