"Darf man Jude sagen?"

Diese und weitere Fragen beantwortet die Ausstellung "Was sie schon immer über Juden wissen wollten... aber nie zu fragen wagten" ironisch und mit Augenzwinkern.

In einer neuen Sonderschau im Jüdischen Museum Hohenems finden Besucher Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um das Judentum - oder auch nicht. In der unterhaltsamen Ausstellung "Was Sie schon immer über Juden wissen wollten ... aber nie zu fragen wagten" (27. März bis 7. Oktober 2012) werden aber meist nur neue Fragen aufgeworfen. "Man wird hier gar nicht so viel über Juden erfahren, aber vielleicht etwas über sich selbst", erklärte Hanno Loewy, Direktor des Museums. Die 23 Fragen ergaben sich laut Hannes Sulzenbacher und Loewy aus ihren Erfahrungen bei Ausstellungsführungen und aus Internetforen. Es handle sich um ein buntes Gemisch von Fragen, "die blöd, die peinlich, die politisch unkorrekt, aber auch ernsthaft sind", so Loewy. Gemeinsam mit Künstlern aus Israel, den USA und Europa habe man sich bemüht, über Kunstobjekte, Alltagsgegenstände, historische Exponate sowie Zitate von Schriftstellern, Intellektuellen und Politikern durchaus Antworten zu finden, ... ... andererseits wolle man dem Frager auch Material geben, um über seine Frage nachzudenken. Humorvoll ist etwa die Antwort auf die Frage "Haben Juden große Nasen?" ausgefallen. "Nach 54 Jahren der Beschäftigung mit diesem Thema kann ich nur feststellen, dass jeder Jude, den ich getroffen habe, eine Nase hat", so das als Antwort zur Verfügung gestellte Zitat von Sander Gilman. Daneben erzählt die in New York lebende Künstlerin Tamar Latzman in ihrer Videoinstallation "Memory of a nose" von einem Traum, in dem der Erzählerin eine Riesennase wächst. Zur Frage, warum Juden beschnitten werden, sind unter anderem drei Beschneidungs-Trainingssets aus dem medizinischen Fachhandel zu sehen. Thematisiert werden auch die Diaspora und die ungelöste Staatenfrage. "Haben Juden auf Israel ein historisches Recht?" oder "Sollen Israelis und Palästinenser in einem oder zwei Staaten leben?". Letztere Frage illustriert die in Tel Aviv und Berlin lebende Künstlerin Zoya Cherkassky mit zwei Cola-Flaschen, eine mit hebräischer, eine mit arabischer Aufschrift. Ironisch wird die Sache bei der Frage "Darf man Jude sagen?".
Der Besucher kann das Wort "Jude" auf Band sprechen und es sich dann anhören. "Klingt es so, wie Sie es gemeint haben?", so die provokante Gegenfrage. Als eine Art virtueller Mentor der Ausstellung fungiert der Filmemacher Woody Allen, dem im Begleitprogramm mit einer Filmreihe in Zusammenarbeit mit dem Spielboden Dornbirn viel Platz eingeräumt wird. "Was Sie schon immer über Juden wissen wollten ... aber nie zu fragen wagten"Jüdischen Museum Hohenems 27. März bis 7. Oktober 2012 Di bis So 10.00 bis 17.00 Uhr

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(APA / moe) Erstellt am
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