© EPA/SANDRO CAMPARDO

Karriere im Rückspiegel
10/03/2014

Da war doch mehr als Woodstock: Neue Biografie über Joe Cocker

"Eigentlich hätte ich eine Gitarre zum Festhalten gebraucht".

Es gibt drei Dinge, auf die Joe Cocker nach eigenen Angaben immer wieder angesprochen wird: "Woodstock, Alkohol und was mit meiner Gestikulierung los sei." Dass es durchaus mehr über den britischen Sänger zu erzählen gibt, versucht Christof Graf mit seiner neu erschienen, derzeit einzigen aktuellen Biografie zu beweisen. Dem Musikjournalisten gelingt sein Vorhaben teilweise.

Die gewaltige Bluesstimme aus Sheffield wird wohl für alle Zeiten mit der Interpretation des Beatles-Songs "With A Little Help From My Friends" beim legendären Woodstock-Festival, aber auch mit langjährigen Drogen- und Suff-Exzessen in Verbindung gebracht werden. Doch da gab es tatsächlich viel mehr in der Karriere des mittlerweile 70-Jährigen, etwa die Anekdoten umwobene Tournee "Mad Dogs & Englishmen", als Cocker mit einer Musikerkommune in den Siebzigern durch die Staaten zog. Oder sein Comeback nach Suchtüberwindung und die Wandlung zum Mainstream-Star.

Verrenkung

Graf zeichnet rasch die Kindheit und Jugendjahre Cockers nach. "Die Biografie - Mit Gänsehaut durch die Jahrzehnte" beginnt dort so richtig, wo es spannend war: in den Sechzigern. In der Arbeiterstadt Sheffield versucht Joe unter dem Namen Vance Arnold mit seiner Band, den Avengers, durchzustarten. Auftritte von Eric Clapton, Jack Bruce, Ray Charles und den Beatles prägen ihn. "Ich zuckte und wand mich, als ob ich unter Strom stand", berichtet Cocker über seine eigene Performances. "Eigentlich hätte ich eine Gitarre zum Festhalten gebraucht." Heute sind diese "Verrenkungen" längst sein Markenzeichen.

Spannend sind die "wilden Jahre" mit Auf und Abs, mit Woodstock eben, dem Durchbruch mit dem ersten Album, den Ausschweifungen (Graf: "Er schnupfte Kokain, rauchte Marihuana, Cannabis und Pot und nahm am Ende die Teufelsdrogen Heroin, PCP, Black Acid und andere Formen von LSD.") und der Mad Dogs Konzertreise, bei der das Ego des musikalischen Direktors Leon Russell dem Briten zusetzte. Der Ruhm wuchs, aber zugleich litt "seine finanzielle und psychische Situation um ein ebenso Vielfaches", resümiert Graf. Man würde lieber noch mehr über dieses irrsinnige Tour-Unternehmen lesen, als sich durch im Buch wiedergebene Albumkritiken aus deutschen Medien zu quälen.

Spröde

Das Problem der Biografie: Sie wurde quasi "aus der Ferne" geschrieben - auch wenn Graf seine mehrmaligen Interviews mit Cocker heranzieht, muss er sich bei vielen Stationen auf Zitierungen anderer Berichte beschränken. Dadurch wirkt die Geschichte spröde und verliert sich manchmal in irrelevante Details und in Wiederholungen. Dass der Verlag Tippfehler durchgehen ließ und die Schwarz-Weiß-Fotos vielfach zu dunkel gedruckt sind, macht es nicht besser. Trotzdem gelang es dem Autor, einige Stationen einer großen Karriere (etwa Cockers Comeback unter dem Management des Woodstock-Veranstalters Michael Lang oder die Verhaftungen des Sängers nach einem Wien-Konzert) gut aufzubereiten. Nur hätte man "Fanbuch" draufschreiben sollen.

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