© Wiener Staatsballett/Ashley Taylor

Kultur
01/29/2019

"Coppelia" an der Volksoper: Ein Ausflug ins Tanzmuseum

Kritik. Ballettpremiere „Coppélia“ von Léo Delibes in der Rekonstruktion von Pierre Lacotte an der Volksoper. Von Silvia Kargl.

Das dreiaktige Ballett „Coppélia“ zu Musik von Léo Delibes zählt seit seiner Uraufführung 1870 zum Repertoire fast aller bedeutenden Compagnien. An der Volksoper wird vom Wiener Staatsballett erstmals die 1973 in Paris entstandene Rekonstruktion Pierre Lacottes gezeigt.

Durch die Nähe zum Original nach Arthur Saint-Léon ist diese Fassung im Vergleich mit den zuletzt an der Volksoper aufgeführten Versionen von Susanne Kirnbauer und Gyula Harangozó sen. eine ernste Angelegenheit, der jener Hauch von Ironie fehlt, der das Märchen an die Gegenwart heranführt.

Akribisch

Doch der Vorteil der akribischen Rekonstruktion Lacottes mit zahlreichen pantomimischen Elementen ist, dass „Coppélia“ als Schlüsselwerk an der Schnittstelle zwischen dem romantischen Ballett und den Klassikern von Marius Petipa zu betrachten ist.

Die Schritte sind dynamisch und schnell, Hebefiguren kommen fast nicht vor, die Solisten brillieren vor allem in Solovariationen. Wiens neue Erste Solotänzerin Natascha Mair gefällt als jugendliche Swanilda, die ihren Franz (Denys Cherevychko) mit Charme um den kleinen Finger wickelt. Die „Charakterrolle“ des unheimlichen Coppélius, dem Erfinder der Franz verwirrenden Automatenpuppe Coppélia, ist bei Lacotte deutlich von E.T.A. Hoffmann inspiriert und wird von Alexis Forabosco mit der geforderten Skurrilität angelegt.

Das Corps de ballet tanzt in Anne Salmons präziser Einstudierung. Mazurka und Walzer, Nationaltänze haben in der Choreografie einen hohen Stellenwert. Die Ausstattung adaptierte Lacotte nach den Pariser Originalentwürfen, wobei die farbenfrohen Kostüme einen Kontrast zu den gemalten Prospekten im Hintergrund bilden.

Den nicht vollständig überlieferten dritten Akt choreografierte Lacotte neu und beweist Stilgefühl. Um den Pas de deux der Protagonisten kreisen Solisten wie die Morgenröte, die Nacht, die Abenddämmerung und die musikalisch auch abseits des Balletts bekannten zwölf Stunden. Für die spritzige Umsetzung der Musik sorgte Simon Hewett am Pult des Orchesters der Volksoper.