Kultur
20.07.2018

Congo Tales: Erzählungen aus dem Regenwald

Ein Projekt mit Film, Fotos, Buch: Was kann denn das Krokodil dafür, dass es fressen muss?

Stirbt ein alter Mensch, so verbrennt eine ganze Bibliothek des Wissens.
Es verschwinden Erzählungen, weil sie nie aufgeschrieben wurden, und in der Republik Kongo z.B., im Herzen Afrika, mitten im Regenwald, wird überhaupt nichts aufgeschrieben.
Dann ist sie eines Tages verbrannt und weg – diese Geschichte vom kleinen Fisch und dem Krokodil:
Sie lebten im selben Fluss und wurden Freunde, die miteinander tanzten und jagten. Aber eines Nachts hatte der kleine Fisch einen Albtraum:  Das Krokodil aß alle seine Eier, seinen Nachwuchs!, und – so erklärt die Geschichte – damit muss man rechnen, es gibt keinen Grund, aufs Krokodil böse zu sein: „Die Gesetze der Natur gelten für jeden, und jeder hat sie zu respektieren.“

Andere Richtung

Viele „Congo Tales“ sagen uns: Reg dich nicht auf, bleib gelassen, be cool – es ist, wie es ist.
Nur der Maulwurf will es nicht akzeptieren: Er  und die Sonne waren früher einmal gut miteinander: Zum Plaudern kam er gern aus der Erde heraus.
Da wurde die Mutter des Maulwurfs krank, und ein Wahrsager behauptete: Sie kann nur gesund werden, wenn die  Sonne ihre Reise über den Himmel   in  entgegengesetzter Richtung unternimmt. Der Maulwurf bettelte darum, die Sonne bedauerte: „Ich kann das nicht.“  Die Mutter  starb, der Maulwurf geht der Sonne seither aus dem Weg.
„Congo Tales“ ist ein Projekt, in dem die Leute der Stadt Mbomo die Fabeln und Mythen aus den Wäldern des Kongo nachspielten und dabei gefilmt bzw. fotografiert wurden. Das konserviert  Krokodil, Maulwurf, Sonne, Löwe, Regenbogen  ... aufs Schönste.


Stefanie Plattner und Eva Vonk (Herausgeberinnen):
„Congo Tales“
Englisch/Französisch. Fotos von
Pieter Henket.
Prestel Verlag.
176 Seiten.
46,30 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern