Clooney bis Waltz: Die Konkurrenz am Lido

Der Wettbewerb von Venedig bringt heuer viel US-Kino von Clooney bis Friedkin, einen neuen Polanski mit Christoph Waltz, eine nackte Bellucci und noch viel mehr.

Bis 10. September ist auf den Booten und Gondeln in der Lagunenstadt Venedig mit erhöhtem Staraufkommen zu rechnen: Kate Winslet, Madonna, Jodie Foster, Colin Firth, Gwyneth Paltrow, Matt Damon, Jude Law und Al Pacino sind nur einige derjenigen, die am Lido erwartet werden. Österreich ist in diesem Jahr mit Michael Glawoggers Dokumentarfilm "Whore's Glory" und zwei Kurzfilmen im Nebenwettbewerb "Orizzonti" vertreten.

Im Folgenden ein Auszug aus den Filmen, die heuer im Wettbewerb um den Goldenen Löwen antreten. ...

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Bild: George Clooney in "The Ides of March" Mit dem Polit-Drama "The Ides of March" von George Clooney werden die 68. Filmfestspiele von Venedig am Mittwoch eröffnet. Der Hollywoodstar begeht damit den Auftakt des 23 Filme umfassenden Wettbewerbs beim ältesten Filmfestival der Welt. Der Film spielt zur Zeit der Vorwahlen für einen demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Clooney verkörpert Mike Morris, einen durch und durch liberalen Demokraten, der für Abtreibung und die Homo-Ehe ist. ... Ein sympathischer Politiker, volksnah, schlagfertig und charmant. Doch seine Chancen auf einen Sieg verschlechtern sich - das Lager seines schärfsten Konkurrenten greift zu radikaleren Maßnahmen als Morris das selber tun möchte. Angelehnt an den Untergang von Julius Cäsar sind auch hier die titelgebenden "Iden des März" ein Synonym für bevorstehendes Unheil. Der Film ist mit Stars wie Philip Seymour Hoffman, Paul Giamatti und Marisa Tomei prominent besetzt, doch es ist vor allem Ryan Gosling (Bild), der überzeugt. Auch Roman Polanskis "Carnage" ist im Wettbewerb vertreten. Die Verfilmung von Yasmina Rezas Erfolgsstück "Der Gott des Gemetzels" ist mit Jodie Foster, John C. Reilly, Kate Winslet und Christoph Waltz starbesetzt. Für Roman Polanski ist es der erste Dreh seit seiner Freilassung, nachdem die Schweiz sich geweigert hatte, den wegen der Vergewaltigung einer Minderjährigen im Jahr 1977 angeklagten Regisseur den USA auszuliefern. Dass Polanski selbst an den Lido reist, ist nach den Problemen des Regisseurs mit der Justiz eher nicht zu erwarten. In David Cronenbergs teils in Wien gedrehtem Sigmund-Freud-Film "A Dangerous Method" hätte Christoph Waltz ursprünglich auch mitspielen sollen, der österreichische Oscar-Preisträger sagte allerdings ab. Statt ihm übernahm Viggo Mortensen (rechts) die Rolle Freuds. In der deutschen Koproduktion des Kanadiers Cronenberg sind auch heiße Sexszenen zu erwarten. Der britische Schauspieler Michael Fassbender, der im Film die Rolle des Psychiaters Carl Gustav Jung übernimmt, ist im Streifen in einer turbulenten Beziehung mit Keira Knightley verwickelt, die die Patientin Sabina Spielrein verkörpert. Nackt tritt Fassbender auch in Steve McQueens "Shame" auf. Fassbinder spielt im Drama einen von Sexsucht getriebenen Mann in New York, der Besuch von seiner jüngeren Schwester (Carey Mulligan) erhält. Mit Spannung erwarten die Fans der italienischen Filmdiva Monica Bellucci den französischen Film "Un ete brulant" von Philippe Garrel, in dem die 46-jährige Schönheit ungekleidet auftritt. Im tragischen Liebesdrama, mit dem Garrel bereits zum fünften Mal um den Hauptpreis konkurriert, geht es um einen Maler der von seiner Frau (Bellucci) verlassen wird. Die Rolle des Malers übernimmt der Sohn des Regisseurs, Louis Garrel. Der US-Regisseur Todd Solondz erzählt in "Dark Horse" mit Mia Farrow von der Liebe zweier Außenseiter. Auch Enfant terrible Abel Ferrara ist wieder prominent bei den europäischen Festivals vertreten. Der US-Regisseur wurde erst kürzlich in Locarno anlässlich seines 60. Geburtstags mit einem Ehrenleopard ausgezeichnet und bedankte sich dafür nächtens auf der Piazza Grande mit einem kurzen Rockkonzert. ... Ferraras Venedig-Beitrag "4:44 Last Day On Earth" hat wieder einmal ein düsteres Thema: Cisco (Willem Dafoe) und Skye (Shanyn Leigh) sind davon überzeugt, dass an einem gewissen Tag um 4.44 Uhr die Welt untergehen wird. US-Regie-Altmeister William Friedkin ("French Connection", "Der Exorzist") macht wieder einmal auf sich aufmerksam: "Killer Joe" ist eine schwarze Komödie mit Matthew McConaughey und Emile Hirsch ("Into the Wild"). Hirsch (links) spielt einen Drogendealer, der um sein Leben fürchten muss, wenn er nicht eine größere Summe Geld auftreibt. Zusammen mit seiner Schwester heckt er den Plan aus, ihre Mutter um die Ecke zu bringen, um deren Lebensversicherung zu kassieren. Mit gleich fünf Filmen rittern die USA um den Goldenen Löwen. Die Tochter von Regisseur Michael Mann ("Public Enemies"), Ami Canaan Mann, gibt ihr Regiedebüt mit dem Film "Texas Killing Fields". "Avatar"-Star Sam Worthington schlüpft darin in die Rolle eines texanischen Polizisten, der eine Mord- und Entführungsserie an der texanischen Golfküste aufklären will. Auch das europäische Autorenkino ist im Wettbewerb stark vertreten. Die Britin Andrea Arnold etwa, die beim Filmfest Cannes bereits Preise für "Red Road" und "Fish Tank" gewann, schickt ihre Romanverfilmung "Wuthering Heights". Endlich ist auch Alexander Sokurows "Faust"-Verfilmung zu sehen, die für die Berlinale nicht fertig geworden war. Fassbinder-Muse Hanna Schygulla spielt mit, den Faust verkörpert der österreichische Schauspieler Johannes Zeiler (im Bild rechts). Der italienische Regisseur Emanuele Crialese erhielt für seine letzten Film "Golden Door" und "Lampedusa" großen Kritikerzuspruch. Sein neuer Film "Terraferma" ist ein in Sizilien spielendes Familiendrama. Auch Kino aus Israel (als deutsche Koproduktion) ist im Wettbewerb: "Hahithalfut" ist der zweite Spielfilm des israelischen Drehbuchautors und Regisseurs Eran Kolirin ("Die Band von nebenan"). Marjane Satrapi ("Persepolis") präsentiert gemeinsam mit Vincent Paronnaud ihren neuen Film "Poulet aux prunes" (Frankreich, Belgien, Deutschland). Als 22. Beitrag der diesjährigen Filmbiennale von Venedig wurde noch "Life Without Principle" des chinesischen Regisseurs und Produzenten Johnnie To vorgestellt. Der Meister des zeitgenössischen Action-Kinos aus Hongkong vervollständigte damit das Programm der 68. Ausgabe des internationalen Filmfestivals vom 31. August bis 10. September.

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(KURIER.at, apa / tem) Erstellt am
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