Gustav Kuhn mit seinem Anwalt Michael Krüger

© APA/EXPA/JOHANN GRODER

#metoo
11/15/2019

Causa Kuhn: Künstlerinnen fordern vergeblich Entschuldigung

"Machtmissbrauch". Aber vom Stiftungsvorstand der Tiroler Festspiele Erl wird es keine offizielle Entschuldigung geben.

von Thomas Trenkler

Nachdem in der Causa Erl der Inhalt des Berichts der Gleichbehandlungskommission mit der festgestellten sexuellen Belästigung durch den ehemaligen künstlerischen Leiter der Festspiele Erl, Gustav Kuhn, publik wurde, fordern die fünf betroffenen Künstlerinnen nun eine öffentliche Entschuldigung von den Festspiel-Verantwortlichen. Dies teilten die Frauen am Freitag in einer Aussendung mit.

Die Entschuldigung solle in jener Form erfolgen, „in der unsere Reputation als Künstlerinnen wiederhergestellt und unsere Würde als Frauen respektiert wird“, hieß es. Die Entschuldigung erwarte man sich „vonseiten der Tiroler Festspiele Erl Privatstiftung sowie von der Tiroler Festspiele Erl Betriebsges.m.b.H. als deren operativem Organ, für den in Ihrem Unternehmen stattgefundenen und von Ihnen über Jahre geduldeten Machtmissbrauch Ihres Intendanten“, schrieben die Künstlerinnen in dem an Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP), Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner und den Sektionsleiter im Bundeskanzleramt, Jürgen Meindl, gerichteten Offenen Brief.

Die Kommission habe jetzt „in allen fünf von ihr untersuchten und geprüften Fällen in fünf separaten Gutachten zweifelsfrei sexuelle Belästigungen von uns ehemals bei den Festspielen tätigen Künstlerinnen durch den Gründer und langjährigen Leiter Gustav Kuhn festgestellt“, erklärten die Künstlerinnen. Und kritisierten gleichzeitig die Festspiel-Verantwortlichen: „Nach dem Offenen Brief im Juli 2018, in welchem wir erstmals mit Namen und konkreten Schilderungen massive Übergriffe öffentlich gemacht hatten, war nicht nur und nicht nur von Ihnen, den Verantwortlichen, unsere Glaubwürdigkeit in Zweifel gezogen, sondern sind wir auch als Frauen herabgesetzt und als Künstlerinnen diffamiert worden“.

Die Gleichbehandlungskommission habe die Vorwürfe hingegen als „authentisch“ und „glaubhaft“ gewürdigt. Es gehe um „vulgäre Anmache, eindeutige Aufforderung zu Sex, unerwünschte Küsse auf den Mund und das Dekolleté, Griff auf den Po, unter den Pullover, an die Brüste, zwischen die Schenkel und direkt an die Scham“.

Die Beweiswürdigungen der Gleichbehandlungskommission würden eine „vollständige Rehabilitierung“ für sie darstellen, so die Künstlerinnen, die von einer „versuchten Täter-Opfer-Umkehr “ nach dem damaligen schweren Schritt an die Öffentlichkeit sprachen. In den Gutachten sei bestätigt worden, dass in Erl eine „einschüchternde, feindselige bzw. demütigende Arbeitsumwelt“ geschaffen wurde.

Keine Entschuldigung

Vom Stiftungsvorstand der Tiroler Festspiele Erl wird es keine offizielle Entschuldigung geben. „Entschuldigen muss sich der, der es getan hat“, sagte Landesrätin und Mitglied des Stiftungsvorstandes Beate Palfrader (ÖVP) am Freitag im Gespräch mit der APA. Sie bedaure aber sehr, was passiert ist, betonte sie.

Sie weist zurück, dass jahrelanger Machtmissbrauch bei den Festspielen einfach geduldet worden sei, und sie habe auch niemals die Glaubwürdigkeit der Künstlerinnen infrage gestellt, meinte die Landesrätin in Reaktion auf den Offenen Brief. Viel mehr habe man die Vorwürfe sofort an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet und innerhalb des Vorstands mit der Einrichtung der Ombudsfrau reagiert. „Ich bewundere den Mut der Künstlerinnen“, sagte Palfrader. Sie hoffe, dass die fünf Frauen auch Vorbild für andere Frauen in ähnlichen Situationen sein können.

Am Freitagnachmittag veröffentlichte zudem der Stiftungsvorstand eine Presseerklärung. Mit dem Bekanntwerden der im Raum stehenden Anschuldigungen er "umgehend auf eine lückenlose Aufklärung hingearbeitet": "Wir haben unmittelbar reagiert und erste Maßnahmen zur Schaffung von Transparenz initiiert. Es sei ein mutiger Schritt der Frauen gewesen, Unstimmigkeiten aufzuzeigen. "Wir bedauern sehr, dass wir von diesen konkreten Ereignissen nicht schon früher Kenntnis erhalten haben und daher erst nach dem offenen Brief im Frühjahr 2018 aktiv werden konnten."