Abschied von einem Genie: Trauerfeier für Gert Voss
Der Künstler und der Kindskopf, der besessene Schauspieler und der zurückgezogene Familienmensch - die Trauerreden für Gert Voss waren an diesem warmen, sonnigen Spätsommernachmittag immer wieder von Ambivalenzen gekennzeichnet. Das Burgtheater verabschiedete sich heute, Donnerstag, ebenso würdig wie persönlich von seinem am 13. Juli überraschend verstorbenen Ehrenmitglied.
"Teil des Mythos Burgtheater"
Bergmann, die amtierende, wenngleich interimistische Leiterin des Theaters, erinnerte an dem mit weißen Rosen geschmückten Sarg, an dessen Seiten auf Samtpolstern die Auszeichnungen des 72-jährig gestorbenen Schauspielers ausgelegt waren, daran, dass Voss über ihr ganzes Theaterleben ein wichtiger Wegbegleiter und Gesprächspartner gewesen sei. "Vielleicht würde ich gar nicht hier stehen, wenn ich nicht von ihm so viel über den Schauspielerberuf gelernt hätte." Voss sei nun selbst Teil jenes Mythos Burgtheater geworden, der ihn eigentlich nie sonderlich interessiert habe: "Die Geschichte des Burgtheaters ist im Negativen die Geschichte seiner Krisen, im Positiven die Geschichte seiner Schauspieler. Gert ist jetzt Teil dieser Geschichte."
Bilder der Trauerfeier
Kulturminister Josef Ostermayer ( SPÖ) bedankte sich bei der von Musikern des Mahler Chamber Orchestra begleiteten Feier, bei der auch zweimal per Ton-Zuspielung die Stimme von Gert Voss zu hören war (aus dem Hörbuch "Ich bin kein Papagei" sowie aus dem Prospero-Epilog), "für alles, was er für dieses Theater, die Menschen dieser Stadt und darüber hinaus geleistet hat" und erinnerte sich an einen Besuch bei Gert Voss und seiner Frau Ursula, als er im Zuge der Burgtheater-Krise seinen Rat suchte. Darauf nahm später auch Claus Peymann in seiner Rede Bezug, als er erzählte, Voss habe ihn nach seiner Berufung in die Burgtheater-Findungskommission aufgeregt angerufen und ihn gefragt, ob er nicht Lust habe, "noch einmal von vorne anzufangen"...
"Typus eines modernen Schauspielers"
Der Regisseur Luc Bondy würdigte Voss als "Typus eines modernen Schauspielers - Deine Intuition reichte Dir nicht", der an seinen Beruf "absolut geglaubt" habe. Ganz ähnlich Burgschauspieler Philipp Hauß: "Ich glaube, dass Gert die Spielweise, die Art zu spielen, grundlegend verändert hat." Seine Kollegin Johanna Wokalek erinnerte in einer langen, persönlichen und berührenden Rede an Erfahrungen aus vier gemeinsamen Produktionen ("Die Möwe", "Totentanz", "Die Katze auf dem heißen Blechdach" und "Tartuffe"), an Garderobenbesuche vor den Aufführungen und die immer wiederkehrende Flucht von Voss an der Seite seiner nahezu alle Auftritte ihres Mannes mitverfolgenden Frau Ursula nach den Vorstellungen. "Die Ausschließlichkeit, mit der Du Deinen Beruf lebtest, war einzigartig. Das Theater war Dein Kloster - und Du sein Mönch." Mit dieser Ausschließlichkeit, mit perfekter Vorbereitung bereits bei der Leseprobe, habe er ihr aber auch Angst gemacht: "Es fiel mir nicht immer leicht, Dich zu mögen."
Zur Trauerfeier waren u.a. Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger, Burgtheater-Aufsichtsratchef Christian Strasser, der Salzburger Festspiel-Chef Sven-Eric Bechtolf, Georg Springer und Günter Rhomberg, der ehemalige und der interimistische Bundestheater-Holding-Chef, Ex-Kanzler Franz Vranitzky, zahlreiche Burgschauspieler wie Klaus Maria Brandauer, Annemarie Düringer und Michael Heltau, Künstler und Regisseure wie Michael Haneke, David Schalko und Andre Heller und Kulturpolitiker wie Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny ( SPÖ) erschienen.
Ehrengrab der Stadt Wien
Die Beisetzung findet am Nachmittag in einem Ehrengrab der Stadt Wien auf dem Zentralfriedhof statt. Die Grabrede hält der langjährige Burgtheater-Dramaturg Hermann Beil.
Der 1941 in Shanghai geborene und in Deutschland aufgewachsene Schauspieler wird dem Wiener Publikum nicht nur als "Richard III.", sondern u.a. auch als Shylock in Peter Zadeks legendärem "Kaufmann von Venedig" (1988), "Prospero" im "Sturm" (1988), "Othello" (1990) und als Tschechows "Iwanow" (1990) in Erinnerung bleiben. Dazu kamen die großen Altersrollen wie "Lear" (2007), "Wallenstein" (2007) und Mephisto in "Faust" (2009). Für seinen Trigorin in "Die Möwe" am Akademietheater erhielt Voss im Jahr 2000 den erstmals verliehenen "Nestroy"-Preis als bester Schauspieler. Zu seinen weiteren Auszeichnungen zählen u.a. die Kainz-Medaille und der Kortner-Preis, seit 1998 trug er den Berufstitel Kammerschauspieler, 2009 wurde er Ehrenmitglied des Burgtheaters. 2012 war er noch in der Komödie "Zettl" von Helmut Dietl im Kino zu sehen. Die begonnenen Dreharbeiten zu der TV-Serie "Altes Geld" unter der Regie von David Schalko blieben sein letztes künstlerisches Projekt.
Bilder: Die Karriere Gert Voss' im Rückblick
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