© APA/Roladn Schlager

Burgtheater
03/15/2014

Hermann Beil wird laut "News" Interimsdirektor

Bislang gibt es keine Bestätigung aus dem Ministerium. Außerdem: Neue Vorwürfe gegen Hartmann.

Hermann Beil, ehemaliger Burgtheater-Chefdramaturg und legendärer Weggefährte von Claus Peymann, soll laut einer Vorabmeldung des Magazins "News" als Interimsintendant auf den am Dienstag entlassenen Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann folgen. Aus dem Ministerium gab es dazu bisher allerdings keine Bestätigung.

Auch Hermann Beil will "zu Spekulationen keinen Kommentar" abgeben, wie ein Sprecher des Berliner Ensembles auf Anfrage der APA ausrichten ließ.

Gespräche "nach wie vor im Gang"

Laut dem Sprecher von Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) sind die Gespräche zur Findung eines Burgtheater-Interimsdirektors "nach wie vor im Gang". Eine Einigung auf Hermann Beil wollte man nach einer Vorabmeldung von "News" gegenüber der APA nicht bestätigen und verwies auf die Bekanntgabe nach der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch.

Hermann Beil war in den vergangenen Tagen immer wieder in Medienberichten genannt worden, nun soll der Dramaturg, der gemeinsam mit Claus Peymann 13 Jahre lang das Burgtheater als Kodirektor geleitet hat, nach der Entlassung von Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann Interimsdirektor an der Burg werden, bis eine langfristige Nachfolge für Hartmann gefunden wird. Dies dauert mindestens bis zur Saison 2015/2016. Ostermayer, der Samstagmittag auf Ö1 im "Journal zu Gast" auch zum Burgtheater befragt wurde, äußerte sich dort nicht über die aktuellen Entwicklungen in Bezug auf die Interimslösung.

Info: Hermann Beil

Hermann Beil wurde am 9. August 1941 in Wien geboren und studierte Literaturwissenschaft, Geschichte und Musik in Mainz. Ab 1965 arbeitete er als Dramaturg am Theater. Von Frankfurt führte ihn sein Weg über Basel, wo er die Arbeit mit Friedrich Dürrenmatt als eine entscheidende Begegnung bezeichnete, 1974 zu Claus Peymann nach Stuttgart, dem er anschließend auch als Dramaturg nach Bochum folgte und sieben Jahre später von 1986 bis 1999 als Kodirektor ans Burgtheater. Seit 1999 arbeitet er - allerdings nicht mehr so fix ans Haus gebunden - als Dramaturg am von Peymann geleiteten Berliner Ensemble.

Zahlreiche Schriftsteller setzten Beil in ihren Arbeiten ein Denkmal: Thomas Bernhard widmete 1987 Beil das Dramolett "Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese", Peter Esterhazy schrieb für ihn das Dramolett "Affolter, Meyer, Beil (Don Juan oder Die glückliche Familie)", uraufgeführt im Großen Saal des Mozarteums in Salzburg im Jahr 2006.

Zusammen mit Claus Peymann spielte er bei den Wiener Festwochen 2006 Bernhards "Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen", das in Folge auch am Berliner Ensemble Premiere hatte. Beil ist zudem Autor des Buchs "Theaternarren leben länger", das 2007 im Zsolnay Verlag erschien.

Neue Vorwürfe gegen Hartmann

Der entlassene Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann sieht sich nun auch mit steuerrechtlichen Vorwürfen konfrontiert. Der Schweizer "Tagesanzeiger" berichtet in seiner heutigen Ausgabe, dass Hartmann im Sommer 2009 bei seinem Wechsel vom Zürcher Schauspielhaus an die Wiener Burg möglicherweise die Steuerbehörden in der Schweiz und in Österreich getäuscht haben könnte.

Konkret geht es um 233.000 Euro, die sich Hartmann von der damaligen Kaufmännischen Geschäftsführerin Silvia Stantejsky für Vorbereitungsarbeiten auszahlen lassen habe. Das Burgtheater ging davon aus, dass die Versteuerung in der Schweiz geschehen sei. Eine Ansässigkeitsbestätigung des Zürcher Finanzamts für Hartmann bis zum 20. Juli 2009 liege vor. Laut den "Salzburger Nachrichten" (Samstag-Ausgabe) ist diese jedoch mit 24. Februar 2014 datiert: "Offenbar wurde sie erst jetzt und nach Berichten über fünf Millionen Steuerschulden nachgereicht, die genau wegen solch fehlender Steuerformulare drohen", so die Zeitung.

Am 20. Juli 2009 habe sich Hartmann beim Bevölkerungsamt der Stadt Zürich abgemeldet, "mit der Begründung: Wegzug nach Wien", so der "Tagesanzeiger". Die Honorarnote für die laut Hartmann-Anwalt Georg Schima in Teilbeträgen bar vorgenommenen Auszahlungen sei laut "Presse" jedoch erst fünf Wochen später, am 29. August 2009, ausgestellt worden - mit einer Zürcher Adresse, an der Hartmann zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gemeldet gewesen sei.

"Wenn Hartmann seine Rechnung auf eine abgemeldete Zürcher Adresse ausstellt, lässt er damit das österreichische Finanzamt wissen, dass er in der Schweiz Steuer zahlt", wird der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, im "Tagesanzeiger" zitiert: "Die Frage ist nun, wo und ob er das tatsächlich getan hat." Roger Keller, Sprecher der Finanzdirektion des Kantons Zürich, erklärt dazu: "Wir können aufgrund des Steuergeheimnisses nicht sagen, ob wir die Sache nun nochmals unter die Lupe nehmen. Die Steuersekretäre und die Leitung des kantonalen Steueramts halten aber Augen und Ohren offen, wenn Hinweise auf mögliche Steuervergehen in Medien auftauchen."

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