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Kultur
08/31/2019

Buchkritik: Jo Nesbøs Roman ist nicht nur für Harry Hole eine Quälerei

"Messer" ist der zwölfte Band mit dem alkoholkranken norwegischen Polizisten. Und eines der besten Bücher der Serie.

von Peter Pisa

Als er ein Kind war, fürchtete sich Jo Nesbǿ vor dem Troll im Keller, wenn er Erdäpfel holen musste.

Der Norweger gilt als schreckhaft. Er hält Horrorfilme nicht aus. Deshalb schreibt er Kriminalromane. Deshalb?

Sie sind am Anfang ein Durcheinander, und man bekommt Angst – im neuen Buch z.B. schwängert ein alter Mann mit Gewalt Frauen und droht mit Bauchstichen, falls sie abtreiben lassen.

Nesbǿ schafft Ordnung. Bzw. Harry Hole soll Ordnung schaffen.

Jener alkoholkranke Polizist in Oslo, den sein Erfinder ab 1997 Schussverletzungen zumutete, opiumabhängig wurde er auch ... Das Gesündeste an ihm ist die Musik, die er zum Whiskey auflegt: „Mannish Boy“ von Muddy Waters, „Orbits“ von Miles Davis, „Transmission“ von Joy Divison, „I Wanna Be Sedated“ von Ramones ...

Zuletzt war der Autor nett zu seiner Figur: Harry Hole durfte die große Liebe Rakel heiraten, es gab endlich Harmonie im Leben, und die Melancholie verschwand. Aber jetzt Band 12. Es war zu befürchten gewesen. Es gibt keine Thrillerhandlung, bei der man feuchte Augen bekommt.

Außer bei „Messer“.

Schweißgeruch

„Messer“ ist eines der besten Bücher der Serie. Vor allem ist es Marterei, und weil es fast 600 Seiten sind, ist es eine Riesenmarterei: für Harry Hole und für die Leser.

Seine Frau hat ihn rausgeworfen, er trinkt bis zum Umfallen. Seine Frau wird umgebracht, er hört mit dem Saufen auf und sucht einen eben entlassenen Sexualtäter, der sich vermutlich an Harry rächen wollte.

Man kann das ruhig verraten, der Roman – er funktioniert übrigens eigenständig, man muss die Reihe nicht kennen – hat mehr drauf. Eine geballte Ladung Schmerz und Rätselspannung – sieht wie Wiedergutmachung aus, weil die Verfilmung von Nesbǿs „Schneemann“ so daneben ging.

Das einzig Beruhigende an „Messer“ ist, als Harry Hole an seinen Achseln schnuppert und meint, das Alter sei schuld am üblen Geruch.

Stimmt nicht, wird ihm erklärt. Ältere Menschen riechen nicht schlechter. Laut Studie wird ab 40 ein Alkohol (2-Nonenal) produziert, weshalb der Schweiß besser riecht als bei Jüngeren.

 

Jo Nesbø:
„Messer“
Übersetzt von Günther
Frauenlob.
Ullstein Verlag.
576 Seiten.
24,70 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern