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Kultur Buch
12/05/2019

Zwei vergessene Schriftsteller brauchen Fürsprache

Alma Johanna Koenig, ihr Lebensgefährte Oskar Jan Tauschinski und sein wiederentdeckter Roman "Talmi".

von Peter Pisa

Immer wenn er Geld bekam für die eigenen Romane, steckte er es in seine Hauptbeschäftigung, Alma Johanna Koenig nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Tatsächlich sorgte Oskar Jan Tauschinski (Bild oben) in den 1970ern dafür, dass deren Bücher neu aufgelegt wurden. Auch stiftete er den nach ihr benannten Literaturpreis (Gerhard Amanshauser war 1987 der letzte Preisträger).

Alma Johanna Koenig aus Wien 9, Rögnergasse 19 , war seine Lebensgefährtin. Eine Dichterin, die 1942 im Vernichtungslager Maly Trostin ermordet wurde.

Keines ihrer Bücher ist zurzeit lieferbar. Im Verzeichnis antiquarischer Bücher werden nur die Romane „Gudrun“ (um 2,50 Euro) und „Nero – Der jugendliche Gott“ (90 Cent) angeboten.

Nun braucht Tauschinski selbst Fürsprecher.

„Lang hatte man das Gefühl, die Bücher der ersten zehn, 15 Jahre nach dem Krieg bleiben verschwunden. Das ändert sich jetzt wieder“, freut sich Gerhard Ruiss von der IG Autoren – die vom 1993 in Wien verstorbenen Tauschinski die Rechte am Gesamtwerk übertragen bekommen hat.

Die Edition Atelier gehört zu jenen Verlagen, die sich um vergessene österreichische Autoren kümmern.

Zuversicht

Talmi“ ist ein kleines Kunststück. Weil unterhaltend und ernst. Weil Spaß und hochpolitisch. Die Arbeiter-Zeitung druckte „Talmi“ 1952 in Fortsetzungen ab.

Hauptsächlich spielt der Roman in den letzten Kriegstagen „und ist trotzdem kein Roman der Krisen- und Untergangsstimmung, er ist voller Leben und Zuversicht“ (Gerhard Ruiss).

Der Chauffeur Ernst Ronasek ist Talmi ... nicht authentisch. Er steigt in der Gesellschaft auf, ein Hochstapler, Heiratsschwindler, nicht unsympathisch; am Ende ist er wieder Chauffeur (dann, tiefer Fall, nur für NS-Funktionäre).

Viel Raum gibt Tauschinski dem Alltag 1945. Hitlerbilder werden verbrannt, die Staatsoper brennt ... und ein kleines Porträt von Alma Johanna Koenig findet man in Gestalt einer jüdischen Künstlerin namens Aglaia: Vor ihrer Deportation wird sie von den Nazis zum Schneeschaufeln in die Burggasse kommandiert.

Ein altes Ehepaar schaut zu. Die Frau sagt: „Schau dir die Juden an, Rudi, wie die sich halten! Siehst du die Große da vorn, in der braunen Hose? Die kommt daher wie eine Königin.“

Anschließend schreibt Tauschinski den Satz: „Es ist eine Königin!“

 

Oskar Jan Tauschinski: „Talmi

Edition Atelier. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Evelyne Polt-Heinzl.

343 Seiten. 25 Euro.

KURIER-Wertung: ****