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Literatur
11/26/2021

Neues von Adler-Olsen und Håkan Nesser

"Natrium Chlorid" und "Schach unter dem Vulkan": Von verschwundenen Schriftstellern und symbolhaften Häufchen Salz

von Peter Pisa

Zum neunten Mal Carl Mørck und das Sonderdezernat Q – und der siebente Fall von Inspektor Gunnar Barbarotti .

Beide Kriminalromane spielen während der Corona-Pandemie. Eine große Rolle hat sie nicht, sie erschwert bloß die Polizeiarbeit. (Verhöre übers Telefon?)

Der Schwede Håkan Nesser legt vor allem Wert darauf, dass „Schach unter dem Vulkan“ formvollendet ist. Spannung ist ihm nicht mehr so wichtig. Was da alles geredet wird!

Sein Barbarotti ist wie immer nachdenklich, er könnte es noch viel mehr sein. Besser als Tote.

Wenn er drei verschwundene Schriftsteller suchen soll, kommt ihm das wie Schachspielen während eines Vulkanausbruchs vor: Es gibt größere Probleme, eben die Pandemie.

Barbarotti, Seite 89: „Ich hab das Gefühl, die ganze Geschichte ist ein wenig bizarr.“ – Richtig. Denn ein Autor schreibt über einen Autor, der über einen Autor schreibt ...

Ganz anders der Däne Jussi Adler-Olsen: Von Anfang an gibt er Gummi (oder wie man da sagt).

Seite 7: Ein Blitz tötet in einem Park in Kopenhagen sechs Menschen. Sieben waren miteinander unterwegs gewesen. Eine Frau überlebt.

Seite 13: Explosion in einer Autowerkstatt – fünf Tote, unter ihnen ein dreijähriger Bub, der mit seiner Mutter auf dem Gehsteig war. Die Mutter überlebt.

Man findet sie 38 Jahre später tot. Selbstmord, ein Foto ihres Kindes in der Hand.

Es war tatsächlich Selbstmord. Und der Blitz war tatsächlich ein Blitz. Aber sonst? Serienmorde kristallisieren sich heraus, im Abstand von zwei Jahren. Alte ungeklärte Verbrechen fürs Sonderdezernat Q. Immer war Salz am Tatort zurückgelassen worden (oder in den Leichen).

Folglich hätte Adler-Olsens Roman „Salz“ heißen müssen. Zu fad? „Natriumchlorid“ wurde für aufregender befunden, aber „Natrium Chlorid“ – nicht zusammen geschrieben und deshalb falsch – gefiel am besten. Sorgen haben die Verlage ...

Schon nach 100 Seiten ist man erledigt. So viel ist los. Denn gibt’s keine Leichen, wird Carl Mørck eine Anklage wegen Kokainhandels angedroht und ein Sohn seines Assistenten Assad soll an den Irak ausgeliefert werden. Oder es geht um sadomasochistischen Sex.

Wenn Mørck letztlich tatsächlich verhaftet wird, steht damit bereits der Anfang des zehnten Bandes fest. Adler-Olsen bleibt dabeit: Dann ist Schluss mit der Serie.

Die Auflösung des Kriminalrätsels ist selten zufriedenstellend: Entweder man sagt dazu müde „aha“. Oder es wurde zu fett aufgetragen. Am besten, es bleibt Dunkelheit, und möglichst wenig wird geklärt.

Foto oben: Håkan Nesser

Foto unten: Jussi Adler-Olsen, beide sind 71

 

Jussi Adler-Olsen:
„Natrium
Chlorid“
Übersetzt von
Hannes Thiess.
dtv.
512 Seiten.
25,70 Euro

KURIER-Wertung: ****


Håkan Nesser:
„Schach unter dem Vulkan“
Übersetzt von
Paul Berf.
btb.
432 Seiten.
22,70 Euro

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern

 

 

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