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Literatur
07/09/2021

Simon Beckett: Mit der Verwesung ist vorerst Schluss

"Die Verlorenen": Der Brite startet eine neue Serie mit einem unspektakulären Polizeibeamten

von Peter Pisa

Simon Beckett (Foto oben) macht die Umstellung leicht. Es muss wirklich nicht immer Fäulnis und Verwesung sein. Selbst wenn Leichen zeitweise nach frisch gemähtem Gras riechen, muss es nicht sein.

Denn auch jetzt, bei „Die Verlorenen“, geht der Atem schwer, und so soll es beim Lesen mancher Bücher sein.

Erste Szene:

Detective Sergeant Jonah Colley wird von einem Kollegen (und ehemaligen Freund), mit dem er allerdings seit zehn Jahren keinen Kontakt hat, telefonisch um Hilfe gebeten. Er fährt deshalb an die Themse zu den Lagerhallen am Slaughter Quay, dem Kai der Schlachter ... und findet: den Kollegen tot und vier Leichen, die Köpfe in Plastiksackerln. Das heißt, eine Frau atmet noch.

Jonah wird niedergeschlagen, bekommt Kabelbinder an Arme und Beine, ein Knie wird ihm mehrfach gebrochen.

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Szene zwei, zehn Jahre vorher:

Seine Ehe ist am Ende, Jonah Colley ist mit seinem heiß geliebten Sohn Theo auf dem Spielplatz. Nach zu vielen Nachtdiensten nickt er ein, und als er aufwacht, ist der Vierjährige weg.

Theos Mütze liegt auf dem Boden, ein Schuh steckt in einem Gitter. Es heißt, er sei in einen ungesicherten Kanal geklettert und vom Wasser mitgerissen worden.

Beckett wird den Kreis schließen; wobei es am Ende schon eine Zitterpartie ist, damit es halbwegs rund wird.

Der Brite hatte die Lust an seiner Bestsellerserie mit dem forensischen Anthropologen bzw. Rechtsmediziner David Hunter verloren (von „Die Chemie des Todes“, 2006, bis „Die ewigen Toten“, 2019). Die Leser haben vermutlich nicht. Aber Beckett wollte etwas Neues probieren. Etwas Altes: Ein „normaler“ Polizist sollte Held sein, der nichts Besonderes kann, der Fehler macht, dem die Welt seit dem Verschwinden seines Sohnes fremd geworden ist.

Auch der Thriller zum Serienstart hat keine Sensationen. Wie Beckett jedoch Bekanntes anordnet, wie er beim Schreiben Ruhe bewahrt und fast seriös erzählt, ist einzig. Über Schwachstellen hüpft er locker.

Die deutsche Übersetzung hat das Original überholt: In Großbritannien wird man sich erst Ende 2021 davon überzeugen können, dass es ohne Moder geht.

Simon
Beckett:

„Die Verlorenen“
Übersetzt von
Karen Witthuhn und Sabine
Längsfeld.
Wunderlich
Verlag.
416 Seiten.
24,70 Euro

KURIER-Wertung: ****

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