© Brecht Van Maele

Literatur
06/13/2020

Kapitän Trump hört auf seinen Entlüftungsschacht

Dave Eggers hat eine schrecklich heitere Geschichte geschrieben, aber leider keine Satire: "Der größte Kapitän aller Zeiten"

von Peter Pisa

Satire muss zuschlagen. Aber wo hat Trump noch keinen Treffer abbekommen? Was kann durch Zuspitzung noch verhindert werden? Die Wiederwahl?

Dass es ganz oben dumme, böse Menschen gibt, hat die Welt begriffen.

Schon der angesehene britische Booker-Preisträger Howard Jacobson tat sich schwer: als er in seiner Schnellschuss-Satire „Pussy“ (2018) den Präsidenten als Idioten darstellte, dem schon als Kind auf die Frage nach einer anderen Bezeichnung für „Frau“ das P-Wort im Buchtitel einfiel.

Bei Nachfrage kam noch die Antwort: „Prostituierte.“

Lügner

Immerhin verriet Jacobsons Hauptdarsteller das Geheimnis guter Staatsführung:

„Halte nie deine Versprechen ... Ist man halbherzig, scheitert man. Einem halbherzigen Lügner verzeiht das Volk nicht ... Aber wenn sie wissen, dass man ein Lügner durch und durch ist, und du ihnen zeigst, dass du weißt, dass sie wissen, dass du einer bist, dann können sie dir vertrauen.“

Bei Dave Eggers, seit „The Circle“ ein gefeierter amerikanischer Schriftsteller, klingt die Satire noch mehr nach einer bloß lustigen und zugleich schrecklichen Geschichte – mit einigen guten Ideen.

Aus Amerika macht er das Schiff „Glory“. Der alte Kapitän will endlich Ruhe haben – „Ich mach das!“, ruft der Mann, der bisher billige Souvenirs verkauft und mit Hütchenspielchen die Leute ausgenommen hat.

„Er trug eine gelbe Feder im Haar.“

Besser als ein vom Lastwagen überfahrenes Eichhörnchen.

Spinne

Klingt doch super, dass er alles umkrempeln will. Außerdem mag er Cheeseburger. Frauen mag er nur im Badekostüm.

Aus Angst vor einer Spinne am Plafond verkriecht sich der Neue gleich in der ersten Nacht unterm Bett, und dort hört er eine geheimnisvolle Stimme aus dem Entlüftungsschacht: Sein Intellekt sei sehr hoch, weil er der bösen Spinne entkommen ist – „sie verursachen Rektalblutungen.“

Auf diese Stimme wird er immer hören. Sie lobt ihn.

Zum Frühstück schreibt der Kapitän auf eine Tafel wichtige Informationen ... etwa, dass er seinen Penis gecheckt hat: „Noch immer tadellos.“

Oder: „Wenn ihr nicht für mich gestimmt habt, werdet ihr vielleicht gekillt.“

Indem er allen Passagieren (allen Amerikanern) wöchentlich sage und schreibe 1 Dollar 50 verspricht, haben sie nichts dagegen, wenn er Piraten an Bord willkommen heißt – Blutbart z. B. (Putin) oder den Sehr Weichen Mann (Kim Jong-un). Man lässt sich ausrauben, foltern, umbringen.

Auf die 1,50 Dollar hat „Der größte Kapitän aller Zeiten“ dann freilich vergessen.

Längst ließ er alle, die etwas vom Lenken eines Schiffes verstehen, ins Meer werfen. Er und Freund Entlüftungsschacht machen das schon.

Barack Obama hat nur einen einzigen Satz gebraucht: Trumps Leute wissen nicht, was sie tun.

So kurz geht’s auch.

 

Dave Eggers:
„Der größte Kapitän aller Zeiten“
Übersetzt von
Ulrike Wasel und Klaus Timmermann.
Kiepenheuer & Witsch.
128 Seiten.
14,40 Euro

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern

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