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Literatur
11/17/2019

John le Carré.: Auch Spione schimpfen über den Brexit

„Federball“, der 25. Roman des höflichen Briten, dient als Spielfeld für weniger höfliche Kritik.

von Peter Pisa

Bewundernswerter John le Carré (Foto oben). Sechs Jahrzehnte dauert seine Karriere jetzt schon (wie bei Karel Gott, anders halt), 88 ist er im Oktober geworden, und auch „Federball“ liest sich jung und frisch ... wenngleich sich der neue Roman so anfühlt, als sei es dem Engländer nur darum gegangen, Raum zu finden, um sich über den Brexit und über Trump zu ärgern.

Er hätte in allen literarischen Genres elegant ausgesehen, aber:

Le Carré = Spionage.

Le Carré = Der Spion, der aus der Kälte kam (1963); Agent in eigener Sache (1979); Das Rußlandhaus (1989) usw.

Er war ja selbst für kurze Zeit Agent des britischen Auslandsgeheimdienstes und erzählt von Nat, einem ausrangierten Führungsoffizier, der aus Moskau abberufen wird. Mit knapp 50 ist das in dieser Branche anscheinend üblich.

Umdenken

Man beschäftigt Nat aber trotzdem weiterhin, er soll die „Oase“ leiten. Das ist kein Traumjob.

Das ist vielmehr ein Bürohaus in London – „eine Mülldeponie für Überläufer aus Russland ohne Wert und für fünftklassige Informanten.“

Dank seiner Mitarbeiterin Florence (2. Hauptfigur) könnte Nat einen vom Kreml beschützten, unsauberen ukrainischen Oligarchen außer Gefecht setzen. Das wird allerdings von seiner Heimat, von „oben“, verhindert.

Und dann ist da noch ein Badmintonspieler, der in die Geschichte fällt (3. Hauptfigur). Er ist nicht so harmlos. Mit seinem Gerede könnte er einen Patrioten wie Nat zum Umdenken bringen.

Und es wird sehr viel geredet im 25. Roman. John Le Carré ist ein höflicher Mann – „Federball“ dient ihm als Spielfeld für weniger höfliche Kritik.

Seine Figuren sagen:

Brexit ist beschissenes Chaos“, Großbritannien begebe sich in uneingeschränkte Abhängigkeit zu Amerika, „unser Land befindet sich im freien Fall“ und so weiter.

Der pensionierte Geheimdienstchef Dearlove schäumt über den Autor: Er befürwortet den Austritt aus der EU ... und war schon immer gegen Le Carré eingestellt, der eine zwingende Meinung hat, aber diesmal keinen zwingenden Roman.

 

 

John Le Carré:
Federball
Übersetzt von Peter Torberg.
Ullstein Verlag.
352 Seiten.
24,70 Euro.

KURIER-Wertung: *** und ein halber´Stern

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