© REUTERS/TOM BRENNER

Literatur
10/21/2020

Joe Biden ist zum zweiten Mal der Krimi-Held

Autor Andrew Shaffer schreibt, weil er Sehnsucht hat nach der Freundschaft zwischen Präsident Obama und seinem Vize

von Peter Pisa

Welchen Präsidenten kann man sich als Hauptfigur in einem Krimi vorstellen? (Van der Bellen mit Hündin Juli? Schröcksnadel???)

Mit Barack Obama funktionierte es sehr gut. Das war lustig und kritisch, nie ganz verblödelt, spannend freilich nur in Maßen. Aber muss ja nicht.

Obama war „kalt wie Gurkensaft“, als er zum ersten Mal im Buch „Hope Never Dies“ des New York Times-Humoristen Andrew Shaffer ermittelte.

Tarnung

Ihm zur Seite steht jetzt zum zweiten Mal der etwas kämpferische, patscherte Joe Biden (Foto oben), der entweder nach heißer Milch verlangt oder nach einem Eisstanitzel, oder er will gefrorene Brokkoli, um blauen Flecken zu kühlen.

Manchmal hat er eine großartige Idee: Als perfekte Tarnung bei seinen Undercover-Recherchen überlegt er ein Kapperl zu tragen … mit der „unauffälligen“ Aufschrift: Küss meinen Barsch (mit dem Bild eines Fisches mit offenem Maul).

Auch der zweite Roman „Hope Rides Again“ wurde von Shaffer in Trump-Zeiten aus nostalgischen Gründen geschrieben.

Und um die Freundschaft zwischen Barack Obama und seinem ehemaligen Vize zu würdigen, „die dem Land gut getan hat“ (Shaffer, ein deklarierter Demokrat).

Der Autor mag das irische Sprichwort: Mögen die Scharniere eurer Freundschaft niemals Rost ansetzen.

Damit das nicht geschieht, Joe Biden wild entschlossen, dem Freund zu helfen: Obama sucht während einer Veranstaltung zur Unterstützung arbeitsloser Jugendlicher sein Handy.

Jemand dürfte es gestohlen haben, und da sind alle Telefonnummern der führenden Politiker der Welt gespeichert. Er bleibt trotzdem cool.

Joe Biden, der es schon einmal sogar geschafft hat, den Schwimmer im Spülkasten der Gästetoilette auszutauschen, will es ihm zurückbringen. Er hat einen Verdacht, der ihn zu den Jugendbanden führt.

Roman Nr. 2 spielt in Chicago, wo es angeblich nach Corned Beef, Kohl und Pferdemist riecht. In Chicago hatte Obama 20 Jahre gewohnt und als Anwalt und Verfassungsrechtler an der Universität gearbeitet. Es war jene Stadt, in der er zum ersten Mal politisch auffiel, als er für die Wahl Bill Clintons mobilisierte.

Joe Biden hat, wie er im TV erzählte, den ersten Roman gelesen. Und sich gut unterhalten; und gewundert, weil 200.000 Exemplare so schnell verkauft waren.

Kommt der dritte Roman? Oder ein anderes G’spann? Andrew Shaffer weiß es nicht, er wartet die Präsidentschaftswahl ab, aber er weiß, „dass die Welt bestimmt nicht reif ist für das Team Michelle Obama und George W. Bush.“


Andrew Shaffer:
„Hope Rides Again“
Übersetzt von
Eva Bonné.
Droemer Verlag.
285 Seiten.
15,50 Euro

KURIER-Wertung: ****

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