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Literatur
12/19/2020

In dieser Zukunftsvision wissen Staubsaugerroboter fast alles

Marc-Uwe Kling setzt "QualityLand" mit den menschelnden Maschinen und maschinigen Menschen fort

von Peter Pisa

Die Ideen waren so gut, dass man „süchtelte“ und immer mehr wollte.

Eine Drohne mit Flugangst – herrlich. Das Laufband im Fitnessstudio, das dich bemitleidet, wenn die Freundin davonläuft ... „Leck mich doch“, sagt Peter Arbeitsloser, weil das Laufband den ... Mund nicht und nicht hält. Und es redet schon wieder zurück: „Bitte achte auf deine Sprache!“

Das war die neue Welt in „QualityLand“ (2017) des Stuttgarters Marc-Uwe Kling (Foto oben), bekannt auch durch seine Bücher über ein kommunistische Känguru.

Eine düstere Zukunftsvision zum Lachen: Wennst brav bist, steigt dein Level, und du bekommst Vergünstigungen. Die Menschen sind maschiniger geworden. Die Maschinen menscheln. Peter Arbeitsloser ist Maschinentherapeut.

Kabarett

Einmal kommt ein Staubsaugerroboter zu ihm, der sich weigert, den Boden unterm Ehebett sauber zu halten. Der Grund: Er hat Angst. Denn als seine Herrin verreist war, fand er ein benutztes Kondom da unten. Sein Herr ist fremdgegangen, eindeutig, denn seine Herrin verwendet eine Spirale.

Es gibt kaum etwas, das Staubsaugerroboter nicht wissen.

Gut, das war jetzt erheiternd. Kabarett. Allerdings passiert solches in „Quarterland 2.0“ nicht oft. Die Romanfortsetzung ist ein episodenhaftes Durcheinander mit Verfolgungsjagd und sogar mit einem dritten Weltkrieg, der acht Stunden gedauert hat, und so genau weiß eigentlich niemand, wo er überhauptstattgefunden hat.

„Quarterland 2.0“ ist anstrengend. Man ist geradezu froh, wenn’s ein paar ruhigere Seiten gibt. Peter Arbeitsloser hofft, dass Ex-Freundin Kiki Unbekannt zu ihm zurückkommt. Kiki sucht ihre Eltern – sie war von einem Roboter großgezogen worden ...

Die Kapitel haben Überschriften wie: „36,7 Prozent aller Jobs sind komplett sinnlos. Gehört deiner dazu?“

Oder: „Nur Leute mit einem IQ über 150 kapieren das folgende Kapitel.“

Vielleicht muss man ja sehr gut gelaunt sein, damit man nach dem Lesen sehr gut gelaunt ist. Gelingt aber zurzeit nicht gar so gut.


Marc-Uwe Kling:
„QualityLand
2.0“
Ullstein Verlag.
432 Seiten.
19,60 Euro

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern

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