© Catel / Carlsen Verlag

Literatur
06/26/2020

Familie Goscinny und der Zaubertrank, der alle zum Lachen bringt

Die Tochter des Asterix-Erfinders ermöglichte die Comic-Biografie, gezeichnet von der Französin Catel.

von Peter Pisa

Neun Jahre nach dem Tod des Vaters stürmte Anne Goscinny an ihrem 18. Geburtstag zu einem Pariser Kardiologen und kündigte an, ihn zu erschießen.

Der Hometrainer stand noch dort.

Auf ihm war, 5. 11. 1977, René Goscinny fürs Belastungs-EKG gesessen; und klagte, während er in die Pedale trat, über Schmerzen in Brust und Armen. Der Arzt entgegnete: „Noch 20 Sekunden.“ Goscinny fiel um.

Es ist wahr: Anne Goscinny wollte dem Drama ein Gesicht geben. Aber sie hatte keine Waffe mit. (Als sie ging, sagte der Arzt: „Im übrigen hat Ihre Familie mir nie ein Honorar gezahlt.“)

Damit beginnt „Die Geschichte der Goscinnys“. Der Comics bzw. die Graphic Novel über eine Familie, die man gern kennengelernt hätte. Anne Goscinny konnte die Zeichnerin Catel dafür gewinnen, ein Glücksgriff.

Jetzt hört sie ihren Vater – Autor von Asterix, von Lucky Luke, dem bösen Großwesir Iznogoud, dem kleinen Nick – wieder in die Schreibmaschine klopfen. Sie hört ihn erzählen. Sie hört ihn lachen.

Nicht stark

Wobei sie überzeugt davon ist, dass mit dem Zaubertrank, den René Goscinny in Gallien brauen ließ, das Lachen gemeint ist

Viele Mitglieder der jüdischen Familie waren in Auschwitz ermordet worden, während der kleine René mit seinen Eltern in Argentinien war. Sein Vater hatte dort Arbeit als Chemieingenieur.

Nach der Rückkehr nach Frankreich mussten seine Welt und die ganze Welt zum Lachen gebracht werden – wie es Laurel und Hardy immer gelang, seinen erklärten Lieblingen.

Deshalb war Asterix klein (und nicht, wie es Zeichner Albert Uderzo wollte, ein großer starker Held); und Obelix ein bisschen dumm und dick.

Auch Anne Goscinny und Catel wurden ein gutes Team: Sie gaben dem kleinen Nick eine große Schwester: „Le monde de Lucrèce“ (noch nicht übersetzt).

 

Zeichnung oben von Catel aus dem Buch „Die Geschichte der Goscinnys“: René Goscinny bei der Arbeit

 

Catel (= Catel Muller):  „Die
Geschichte der Goscinnys“
Übersetzt von
Ulrich Pröfrock.
Carlsen Verlag.
336 Seiten.
28,80 Euro

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern

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