© Ayse Yavas

Literatur
05/22/2020

Ein verfluchter Ort spielt 600 Jahre lang die Hauptrolle

"Im April" heißt der Roman von Christina Viragh, der Ruhe ausstrahlt, obwohl er durch die Jahrhunderte zieht.

von Peter Pisa

„Eine dieser Nächte“ hieß der vorangegangene Roman der gebürtigen Ungarin Christina Viragh (Foto oben). Nur von einer zwölfstündige Flugreise BangkokZürich wurde erzählt, und im KURIER stand lobend: Dieser Roman ist „eine dieser Nächte“, in denen die Literatur stärker ist als der Wunsch zu schlafen.

Auseinander

Auch „Im April“ strahlt Ruhe aus, und das ist höchst verwunderlich, weil zwischen dem Jahr 1415, den 1920ern, 1960ern und den 2000er Jahren hin und her gesprungen wird. Vom gleichen Platz aus – einer Wiese in der Schweiz, dort wurde geritten, dann stand ein Bauernhaus dort, dann ein Wohnhaus mit Lift, und im Lift steckt jemand.

Die Paare, denen wir begegnen, finden ihren Platz nicht, sie gehen auseinander, man streift angstvoll durch die Gegend ... Es ist ein verfluchter Ort. Vor mehr als 600 Jahren geschah ein Mord. Viragh weist dem Geist des Ortes eine Hauptrolle zu. Am Ende versteht man, was trotz dieser Dramen die Ruhe bringt: Immer sangen/singen die Amseln.

 

Christina Viragh:
„Im April“
Nachwort von
Péter Nádas.
Dörlemann
Verlag.
384 Seiten.
25,70 Euro

KURIER-Wertung: vier und ein halber Stern