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Literatur
03/20/2020

Ein Roman vom Ende einer Ehe mit Kreuzworträtsel

"Sarah" heißt das originelle Buch des Amerikaners Scott McClanahan , das voll von Verlusten ist.

von Peter Pisa

Das ist der erste Roman des Amerikaners McClanahan (Foto oben), der übersetzt wurde. Es wird bestimmt nicht der letzte sein. Noch dazu war es der Grazer Schriftsteller Clemens J. Setz , der „Sarah“ ins Deutsche herüberholte. Setz musste während der Arbeit an Texte von Jean Rhys, Knut Hamsun und an den jungen Peter Handke denken.

Bestimmt dachte er auch an sich selbst: Jede(r) wird sich beim Lesen ertappt fühlen. Man muss kein Alkoholiker sein – wie Scott, der Gin trinkt, während er mit dem Auto fährt, seine beiden kleinen Kinder auf dem Rücksitz.

Es reichen schon die Eröffnungsworte, um zu wissen: Dieses gelbe Buch des 41-Jährigen aus West Virginia in seinem rosa Wasweißich will man lesen.

„Ich weiß nur eine Sache übers Leben. Wenn du lang genug lebst, fängst du an, Dinge zu verlieren. Alles wird dir weggenommen: Zuerst verlierst du die Jugend, dann deine Eltern, und dann verlierst du deine Freunde, und am Ende verlierst du dich selbst.“

Und es reicht schon das Kreuzworträtsel hinten auf dem Buchumschlag, das schwierigste Rätsel.

6 waagrecht: der Name deiner ersten Liebe

2 waagrecht: was wir verloren haben

1 senkrecht: wie wir verschwinden.

„Sarah“ ist ein (im Kern autobiografischer) Roman über das Ende einer Ehe. Sarah wird sich von Scott scheiden lassen. Weil er nicht zu trinken aufhört, weil er Pornos schaut, weil er zu ihr „Elch“ sagt, weil er unmöglich ist usw. Nun wohnt er im Auto vor dem Supermarkt.

Küsschen

Das Drama wirkt mit Absicht grob gehauen, nicht abgeschliffen. Scott wiederholt Sätze, das ergibt einen Gesang, der mit einer Leichtigkeit vorgetragen wird, sodass niemand ganz traurig sein muss. Nah dran am Traurigsein ist man aber immer.

Sarah ist Krankenschwester. Sie überreicht Scott einen Scheck, damit er sich eine Wohnung leisten kann. Er zieht mit einem Freund zusammen. Wenn er Sarahs Neuen auf der Straße sieht, einen Arzt, schickt er ihm Küsschen oder bespuckt das Auto, es ist ein BMW. Aber der Neue ist ja ebenfalls jemand, der einen Verlust hinter sich hat ...

 

Scott
McClanahan:
„Sarah“
Übersetzt von Clemens J. Setz.
Ars vivendi.
200 Seiten.
20,90 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern

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