© Marta Pérez / efe / picturedesk.com/Marta Pérez/efe/picturedesk.com

Literatur
04/04/2020

Ehekrise à la Nick Hornby: Er ist langweilig, das hat sie gelangweilt

Die zehn Szenen wurden fürs BBC-Fernsehen bereits verfilmt.

von Peter Pisa

Es ist ja nicht so, dass nichts mehr übrig wäre von dieser Ehe. Louise und Tom haben zwei Kinder. Und viele schwierige Kreuzworträtsel in der Zeitung Guardian haben sie miteinander bravourös gelöst. Und bei der Serie „Game of Thrones“ sind sie immer zusammen vor dem Fernseher gesessen.

Also was?

Jetzt, nach 15 Ehejahren, treffen sie sich wöchentlich in einem Londoner Pub. Einige Minuten haben sie Zeit, Louise trinkt ein Glas Wein, Tom ein Bier, und danach gehen sie ins Haus gegenüber – zur Eheberatung.

Aus dem Fenster des Lokals beobachten sie ein Paar, das die Sitzung schon hinter sich hat – sie schlägt ihn mit der Faust, er rennt ihr trotzdem nach.

Wird bestimmt ... nett, wenn Louise und Tom – beide um die 40, sie vier Jahre jünger als er – drüben anläuten. Wobei wir nie dabei sein werden. Nur vorher dürfen wir zuhören. Zehn Mal. Ehekrise in zehn Dialogen.

Nur ein Fehler

Der englische Schriftsteller und Drehbuchautor Nick Hornby (Foto oben) hat schon mehrmals die Schrecklichkeit der Liebe so beschrieben, dass man darüber lachen kann.

Auch diesmal scheut er nichts, was unterhält.

„Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“ (im Original: „State of the Union“) ist ein dünnes Buch. Stephen Frears hat es bereits fürs BBC-Fernsehen verfilmt, 10 x 10 Minuten Comedy.

Louise hatte eine Affäre.

„Ich habe einen Fehler gemacht.“ – „Wie viele Fehler waren es insgesamt?“ – „Na, einer.“ – „Einer.“ – „Ja. Hängt natürlich davon ab, wie man es definiert.“

Etwas später: „Man könnte es als eine Affäre bezeichnen. Oder als vier Fehltritte.“ – „Ach ja?“ – „Der eigentliche Fehltritt drei Mal wiederholt.“

Es geht bei den ruhigen, aber sarkastischen Gesprächen zu wie beim Brexit: Jahrelanges Verhandeln droht, bis man sich einigt, wo überhaupt die Probleme liegen. Ist die ungleiche Arbeit schuld (Louise ist Ärztin, Tom Musikkritiker ohne Job)? Oder dass Tom FÜR den Brexit gestimmt hat?

Es bricht aus ihr hervor, er sei so langweilig. Und es bricht aus ihm hervor, sie sei nicht unbedingt das, was man sexy nennt.

Eine ernste Sache: Kann man sich ändern, aber irgendwie gleich bleiben?

Nick Hornby achtet darauf, mit scharfzüngigem Witz alles zu überspielen. Das funktioniert, weil die G’schichte in nur zwei Lesestunden erledigt ist. Länger möchte man sich dem Humor nicht aussetzen.

Empfehlenswert ist es, wenn dieses Buch beide Ehepartnern kennen. Dann können sie übers Thema reden, ohne über sich selbst reden zu müssen.

(Sie: „Naja ... ich liebe dich.“

Er: „Was hat denn ,naja’ für eine Funktion?“ )

 

Nick Hornby:
 „Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“
Übersetzt von Ingo Herzke. Kiepenheuer & Witsch.
160 Seiten.
18,50 Euro

KURIER-Wertung: ****