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Literatur
09/23/2020

Dan Brown komponierte ein Kinderbuch

Eine wilde Symphonie: Der US-Thrillerautor reimt mit Maestro Maus, und die Musik dazu ist auch von ihm

von Peter Pisa

Normalerweise beginnen seine Bücher mit: „Ich bin der Schatten.“ Und: „Ich fliehe durch die trauernde Stadt.“

Diesmal nicht, diesmal steht am Anfang:

„Ich bin Maestro Maus. Komm mit / auf diesen wilden Zauberritt!“

Dan Brown - Foto oben - hat ein Kinderbuch für Drei- bis Siebenjährige geschrieben, mit einer Maus, die ein Orchester aus Vogelschar, Kängu, kängu, kängu ru, ungeduldigen Ponys, träumenden Nilpferden, tanzenden Wildschweinen und …

„grad noch lauernd schießt beinhart / aus der Deckung der Gepard.“

Ein Gedicht zu jedem Tier und dann auch immer am Schluss ein Sinnspruch, „es gibt Zeiten zum Arbeiten und es gibt Zeiten zum Spielen, für beides sollte jeden Tag Zeit sein“ (also durchaus für Erwachsene ebenso zum Nachmachen geeignet).

Die Reime werden dem Amerikaner bestimmt nicht das Letzte abverlangt haben, dieser Mann hat es in sieben Romanen von „Diabolus“ bis „Origin“ immerhin mit rätselhaften Schriften und mörderischen Kulten zu tun bekommen.

Maestro Maus hat zwar eine verschlüsselte Nachricht versteckt. Aber überraschend ist die Musik: Mittels einer Gratis-Software für Handy und PC hört man bei jedem Tier eine wilde Symphonie, komponiert von … Dan Brown, der – bevor er damit begann, 240 Millionen Bücher zu verkaufen – den Weg eines Singer/Songwriters gehen wollte.

Musik sei in seiner Kindheit geheimer Zufluchtsort gewesen: „Sie weckte meine Kreativität und meine Vorstellungskraft. Auch heute spiele ich jeden Tag Klavier.“ Browns Mutter war Organistin in der Kirche, sein Vater Tenor in einem Quartett.

Als der heute 56-Jährige um die 20 war, entstanden Kinderlieder auf dem Synthesizer, und die 500 Kassetten, die er damit bespielte, wurden über eine Buchhandlung im Ort vertrieben.

Auch eine Langspielplatte wurde produziert, Dan Brown sagt, insgesamt drei Platten dürfte er verkauft haben. Unsympathisch ist dieser Mann, der sich gern mit dem Kopf nach unten auf eine Reckstange hängt, um den Kopf frei zu bekommen – unsympathisch ist er wirklich nicht.

Die alten Lieder sind jetzt Grundlage seiner modernen klassischen Musik. Sie bekamen sozusagen Updates, nun versuchen Geigen lustig, wie ein junger Elefant zu trompeten; Bläser lassen die Maus groß und größer werden; dass die Spinne mit der Harfe in Verbindung gebracht wird, werden Arachnophobiker nicht verstehen; ein Schlagwerker wie Martin Grubinger hätte beim chinesischen Käfer leichtes Spiel ...

Selbst am Klavier

Der Schwan ist Dan Brown am liebsten. Weil so ein Schwan daran erinnere, wie wichtig es ist, auch Zeit mit sich selbst verbringen zu können. (Sinnspruch: Alleinsein tut auch mal gut.)

Um dem Zagreb Festival Orchestra bei der Einspielung zuhören zu können, war Brown nach Kroatien geflogen. An manchen Stellen ist „Eine wilde Symphonie“ jetzt gar nicht meilenweit von „Peter und der Wolf“ von Prokofjew entfernt.

Nach der Pandemie sind weltweit Konzerte für Kinder geplant. (Übrigens hat sich Dan Brown angesteckt.) Überlegt wird, sich einige Male selbst ans Klavier zu setzen und abgespeckte Tier-Versionen zu spielen.

„Das Buch soll Kinder dazu ermutigen, die Kraft zu erleben, die klassische Musik einem geben kann. Und den Spaß!“

Besonders angenehm ist, die kurzen Gedichte und die Musik lassen einen Platz für seine Vorliebe für Eigenschaftswörter: Es gibt demnach keinen gähnenden Abgrund, und nichts ist schrecklich, entsetzlich, fürchterlich.

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