© James Gould-Bourn / Kiepenheuer & Witsch

Literatur
06/27/2020

Buchkritik: Ein Panda im Hyde Park macht sich zum Affen

Etwas aus London mit viel Gefühl: "Pandatage" von James Gould-Bourn tut einfach gut.

von Peter Pisa

Als Danny seinen Job verliert und keinen anderen in London findet, hat er die Idee, sich zu den Straßenkünstlern im Hyde Park zu stellen und zu betteln. Dafür will er sich mit dem letzten Geld ein Kostüm kaufen .

Im Geschäft sucht er etwas, worin er nicht gleich zusammengeschlagen wird.

Das billigste Kostüm ist ein Boris-Johnson-Kostüm.

„Ich sagte, ich suche etwas. worin ich NICHT zusammengeschlagen werde!“

Das zweitbilligste ist ein Panda-Kostüm. Es stinkt. Der vorige Besitzer hat hineingekotzt. Danny nimmt es.

Fehlstart

Es spielt auch sein elfjähriger Sohn Will mit. Will redet nicht und wird in der Schule gemobbt. Und eine Nachtklubtänzerin hat schöne Auftritte.

Ja, das ist eine Geschichte, die man brauchen kann. Sie ist traurig, man darf trotzdem schmunzeln. und sich freuen. Sie tut einfach gut.

Leider liefert der Roman einen Fehlstart. Man merkt überdeutlich: Das ist gar nicht das Leben. Das hat der James Gould-Bourn (Foto oben) bloß erfunden, um einen Filmvertrag zu bekommen.

Vorher besuchte der Engländer einen Kurs für „kreatives Schreiben“ und hat nicht aufgepasst ... er wirft mit Eigenschaftswörtern herum. Die Decke ist klamm, die Sonne strahlend, der Himmel bleiern, der Philodendron ist wenigstens: gesund!

Und dass sich eine Tapete unter dem Gewicht von Dannys Blick zu wellen beginnt, nein, das können Tapeten nicht. Der Autor lügt.

Aber er beruhigt sich. Konzentriert sich. Mit Verspätung geht sein Rezept auf. Das Buch kann berühren. Es wird einen Film geben.

Dannys Sohn Will redet nicht mehr, seit seine Mutter bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist.

Sein alleinerziehender Vater hat ihm lieber nicht verraten, dass er arbeitslos ist und deshalb Panda spielt.

Er tanzt. So schlecht tanzt er, dass ihm die Leute die paar Münzen aus seiner Mütze wegnehmen. Eine Tänzerin hilft ihm.

Will jemand wissen, warum sie dem Panda hilft? Nein? Aber gern doch!

Weil Danny dem Zauberer, der ebenfalls im Park ist, den Umhang gestohlen und ihn ihr gegeben hat, denn Danny dachte, der Zauberer, welcher der Ex-Freund der Tänzerin war, hätte ihr den Umhang am Ende der Beziehung weggenommen (hat er aber gar nicht, hahaha).

Pandajahr

Jedenfalls beginnt Will am Weg von der Schule nach Hause mit dem Panda zu plaudern.

Genug. Klingt übler als es ist. Ehrenwort.

Pandas sind Symbol für Entschlossenheit. Aber sie stehen mittlerweile, wie man in „Pandatage“ sieht, fürs Geldverdienen. Auch weil Tiergärten an China ordentlich Miete zahlen müssen.

Es gab schon den Roman „Im Jahr des Panda“. Der Österreichs Clemens Berger hat ihn geschrieben. Da ging es um viel mehr. Um die Rettung der Welt. Ein, so Clemens Berger, „notgedrungen antikapitalistischer Roman“.

Er wurde nicht verfilmt.


James
Gould-Bourn:
„Pandatage“
Übersetzt von Stephan Kleiner.
Kiepenheuer
& Witsch Verlag.
384 Seiten.
20,60 Euro

KURIER-Wertung: ****

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