© Paolo Giagheddu

Literatur
02/28/2020

Buchkritik: Bei Davide Longo reichen manchmal drei Punkte ...

"Die jungen Bestien": Ein italienischer Kommissar kämpft mit Lakritze gegen das Weinen.

von Peter Pisa

Es ist (immer) notwendig, Stress abzubauen, stundenlang eine Suppe köcheln zu lassen und gern mit Händen Geschirr abzuwaschen, um währenddessen nachdenken zu können.

Davide Longo - Foto oben - passt bestens dazu. Denn das eine ist wie das andere. Man braucht Zeit. Der 49-jährige Schriftsteller aus Turin will nicht so nebenbei „verdrückt“ werden.

Das war bei seinem Roman „Der aufrechte Mann“ so, einer Parabel auf Italien: Es wird geplündert, vergewaltigt, ermordet. Es gibt kein Geld, kein Benzin, kein Brot.

Die Grenzen sind zu.

Grenzsoldaten schießen.

Und das ist bei „Die jungen Bestien“ genauso, dass man sich Zeit nehmen muss. Das Buch gibt nur vor, ein Krimi zu sein ... wie es zuletzt auch bei Longos „Der Fall Brambard“ war. Damals wurden fünf Frauen entführt, klingt aufregend. aber die (Lese-)Geschwindigkeit wurde vom Autor stark reduziert.

Man betrachtete lieber Ohren, schöne Ohren.

Nachts

In „Die jungen Bestien“ ist es keineswegs unwichtig, dass beim Bau einer Eisenbahnstrecke in Turin Skelette gefunden werden, Köpfe auch.

Trotzdem wird Kommissar Arcadipane, übrigens ein Schüler des Polizisten Brambard aus dem vorangegangenen Roman, nachts mit seiner Ehefrau plaudern wollen, über den 15-jährigen Sohn.

Er: Wir haben ihn großgezogen, und jetzt wissen wir nicht, ob er einen kleinen oder großen Penis hat.

Sie: Da wird sich vielleicht eine andere darum kümmern, nicht? Können wir jetzt bitte endlich schlafen?

Man legt die Ausgrabung der Skelette verdächtig rasch zu den erledigten Akten: Wird ein Massengrab sein. Partisanen oder Faschisten.

Arcadipane hat eine andere Spur, die nur bis in die 1970er Jahre zur faschistischen Partei MSI (Movimento Sociale Italiano) reicht.

Dieser Kommissar muss oft weinen. Lakritzenzuckerln helfen. Er hat immer welche in der Tasche. Problem ist, wenn er raucht und lutscht. Schmeckt scheußlich.

Davide Longo macht mitunter Sätze nicht fertig. Er lässt sie mit drei Punkten offen. Wir sollen mitarbeiten, nach dem Geschirrabwaschen ...

 


Davide Longo:
„Die junge Bestien
Übersetzt von Barbara Kleiner
Rowohlt Verlag
416 Seiten
22,70 Euro

KURIER-Wertung: ****

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