Botero: Ein Blick hinter die dicke Fassade

Das Wiener Kunstforum zeigt eine Ausstellung des kolumbianischen Malers Botero mit seinen bekannten, aufgeblasen Figuren.

Eine Retrospektive zu Fernando Botero ist auch für jene sehenswert, die den Stil des populären Malers nicht mögen. Das erste Grinsen drängt sich schon im Eingangsraum auf, wo drei geschickt gehängte Bilder den Besucher in ein visuelles Bermuda-Dreieck verstricken.

Zum Durcklicken ...

Bild (Ausschnitt): 
"Das Nachschleifen", 1987
Öl auf Leinwand, 160x200 cm
Privatbesitz Eine dicke Frau im Bad wendet hier den Besuchern ihren Rücken zu, nur ein Auge blitzt aus ihrem Spiegelbild hervor. 

Bild:
"Ballerina an der Stange", 2001
Öl auf Leinwand, 164x116 cm
Privatbesitz An der Wand links davon blickt ein behaarter, geschminkter Mann in Frauenkleidern in einen Spiegel – spannt er auf die Nackte?

Bild:  "Melancholie", 1989 Öl auf Leinwand, 193x130 cm, Privatbesitz Und an der Wand rechts scheint ein Auge eines schielenden Bischofs von der Entkleideten wie magnetisch angezogen.

Bild: "Spaziergang auf dem Hügel", 1977 
Öl auf Leinwand, 190x103 cm
Privatbesitz Es brauchte tatsächlich eine solche Zusammenschau, um den beißenden Witz und die Hintergründigkeit im Werk Fernando Boteros zu erkennen: Viele Motive des Kolumbianers, insbesondere die Akte und die Bilder von Musikanten und Stierkämpfern, eignen sich nämlich nur allzugut als nette Postermotive.

Bild: 
"Kartenspieler", 1991
Öl auf Leinwand, 152x181 cm
Privatbesitz Das Bank Austria Kunstforum, das Boteros Werk auf bunt gestrichenen Wänden in thematischen Blöcken präsentiert, kann hier ein dickes ABER formulieren. Zwar wirken die üppigen Formen, die seit 1956 Markenzeichen des Malers sind, tatsächlich wie ein Angriff auf das moderne Credo, demzufolge ein Bild seine Flachheit nicht verleugnen soll.

Bild: 
"Pferd des Picador", 1992
Öl auf Leinwand, 190x234 cm
Privatbesitz Zugleich steht die Freude an der Farbe und am Körper bei Botero über jedem Illusionismus, sein Werk ist der "reinen Malerei" näher, als man vermuten möchte. 

Bild:
"Das Kind des Vallecas (nach Velázquez)", 1959
Öl auf Leinwand, 132x141 cm
Privatbesitz Auf inhaltlicher Ebene ist zudem weniges wirklich nett: Die abgebildeten Priester wirken verschlagen, in Szenen aus Spelunken und Bordellen regiert die Tristesse,...

Bild: "Das Priesterseminar, 2004
Öl auf Leinwand, 151x193 cm
Privatbesitz ...im Bild "Picknick" (1989) bricht im Hintergrund ein Vulkan aus, und hohe Wolken rollen heran. 

Bild (Ausschnitt): 
"Picknick", 1989
Öl auf Leinwand, 132x175 cm
Privatbesitz Vor der Darstellung von Gewalt schreckte Botero nie zurück, ob in Kreuzigungs-Bildern, Massaker-Szenen oder Werken zum Abu-Ghraib-Skandal, denen ein Raum der Schau gewidmet ist.

Bild: "Abu Ghraib 47", 2005 
Öl auf Leinwand, 180x114 cm
University of California, Berkeley Art Museum and Pacific Film Archive, Geschenk des Künstlers Es bleibt der Verdacht, dass Boteros "lustiger" Stil seine Botschaft überdeckt. Darauf angesprochen, zuckt der Künstler mit den Schultern: "Meinen Stil zu ändern, hieße, meine Überzeugungen zu ändern." 

Bild: 
"Der Tod des Ramón Torres", 1986
Öl auf Leinwand, 153x183 cm
Privatbesitz
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