© Kurier/Franz Gruber

Kultur
07/18/2019

Bon Jovi in Wien: Hitfeuerwerk und Stimmprobleme

Die Rockband zeigte sich im Ernst-Happel-Stadion spielfreudig wie immer - nur Sänger Jon Bongiovi war nicht in Form.

Noch nicht einmal eine Viertelstunde des Bon-Jovi-Konzertes im Wiener Ernst-Happel-Stadion ist gespielt, aber schon ist klar: Das wird nicht der makellose Triumphzug, den man von dieser Band gewohnt ist. Das Intro mit ein paar Images von Wiener Sehenswürdigkeiten war sympathisch, die ersten beiden Songs gute, laute, schnelle Stimmungsmacher.

Doch jetzt ist Sänger Jon Bongiovi mit seiner Truppe bei „You Give Love A Bad Name“ angelangt und es ist deutlich ist zu hören, dass der 57-Jährige Probleme mit seiner Stimme hat. Er knödelt, trifft bei einigen Tönen nicht die richtige Höhe. Zwar wird er bei den häufigen vielstimmigen Passagen gesanglich ausgezeichnet von Keyboarder Dave Bryan, Bassist Hugh McDonald und vor allem dem Percussionisten Everett Bradley unterstützt. Doch wenn er alleine singt, lässt sich diese Schwäche nicht kaschieren. 

Bei „Keep The Faith“ kann einem der Amerikaner dann richtig leidtun. Über die Projektionen auf der monströsen LED-Wand, die die Rückseite und die Seitenflügel der Bühne umspannt, ist deutlich zu sehen, wie sehr er um die richtigen Töne kämpft, die Stimmbänder sie aber nicht mehr hergeben.

Die Ballade „Amen“ gelingt ihm unter diesen Gegebenheiten hervorragend. Und trotzdem tut einem Bongiovi dabei noch mehr leid. Denn jedes Mal, wenn er den schwierigen, hohen Refrain ohne Hänger beendet hat, zeigen seine Gesten Triumph und Erleichterung – über etwas, das einst so selbstverständlich für ihn war.

„Bed Of Roses“ (mit einem Handkuss für eine Verehrerin, die Bongiovi zum Tanz auf die Bühne geholt hat) reißt das Wiener Publikum dann gesanglich schnell an sich. Da schwingt schon ein bisschen mit, dass man den Frontmann nach Kräften unterstützen will. Aber weit mehr noch will man das feiern, was Bon Jovi immer ausgezeichnet hat und was hier im Ernst-Happel-Stadion die stimmlichen Schwächen des Sängers vielleicht nicht ganz ausgleicht, sicher aber in den Hintergrund drängt: Bon Jovi können nach wie vor all ihre alten Hits, die sie schon tausende Male gespielt haben, mit mitreißender Vitalität füllen.

Und sie geben dem Publikum nach wie vor genau das, was es will: „Lay Your Hands On Me“, „It’s My Life“, „Bad Medicine“ und all die anderen Rock-Hymnen mit den unvergesslichen Melodien, die Bon Jovi 2018 in die „Rock & Roll Hall Of Fame“ gebracht haben. 

Dazwischen gibt es in Wien ein paar Songs vom jüngsten Album „This House Is Not For Sale“, „Runaway“ vom Debüt und Obskureres aus den Jahren ab 2000. Ein weiterer Höhepunkt ist „Wanted Dead Or Alive“, das von der LED-Wand mit Bildern von einem Sonnenuntergang perfekt in Szene gesetzt wird. 

Natürlich kommt dann in der Zugabe noch der größte Hit „Livin’ On A Prayer". Der wird mühelos zum üblichen Triumphzug und beschließt einen Abend, der wegen der unbändigen Spielfreude der Band und ihrer unzähligen hymnischen Welthits durchaus unterhaltsam war – auch wenn man Jon Bongiovi hierzulande immer weit besser in Form gehört hat.