© KURIER/Jeff Mangione

Punk ist nicht tot, er wird nur älter
09/12/2014

Punk ist nicht tot, er wird nur älter

Die Punk-New-Wave-Helden brillierten am Donnerstag in der Wiener Arena.

von Mathias Morscher, Jeff Mangione

Das Wetter meinte es am Donnerstag mal wieder – wie gefühlt bei jedem Open-Air-Konzert in diesem „Sommer“ - nicht gut mit den Besuchern der Wiener Arena. Es regnete in Strömen. Dennoch zog es circa 2000 Fans, in Regenponchos gehüllt, vor die Bühne. Zumindest nachdem allen klar war, dass „One Day Or Another“ nicht vom Band kommt, sondern, dass Debbie Harry und ihre Mannen damit ihre Reise durch ihre 40-jährigen Bandgeschichte antraten. Eine Reise die in den 70er-Jahren und der Punk-New-Wave-Zeit beginnt.

Im Zentrum steht natürlich Debbie Harry. Die mittlerweile 69-jährige Frontfrau, in schwarz-rot-karierten Strümpfe, dem kleinen Schwarzen, einen Blazer und der obligatorischen Sonnenbrille gewandet, hat nichts von ihrer Stimme eingebüßt – das ein oder andere technische Spielzeug hilft dabei wahrscheinlich. Aber das macht nichts. Tanzen war noch nie ihr Ding, das sieht man auch in den alten Videos. Trotzdem sind ihre etwas steifen, fast schon marionettenhaften Bewegungen ein Augenschmaus. Da darf auch ein bisschen Selbstironie nicht fehlen und Harry fragt nach einem Chiropraktiker.

Bilder vom Konzert

Druckvoll

Angetrieben wird die Ikone von der sehr gut eingespielten Band – geführt vom Saitenspiel von Gründungsmitglied und Ex-Harry-Freund Chris Stein. Druckvoll legt sich der Soundteppich über die Arena, kriecht auch in die hintersten Ecken und Gehörgänge.

Besonders gefeiert werden natürlich die Hits wie „Atomic“, „Tide is High“, „Heart of Glass“ oder das The Nerves-Cover „Hanging on the Telephone“. Gecovert wird auch „(You Gotta) Fight for Your Right (to Party!)“ von den Beastie Boys – eine herrliche Hommage an Adam Yauch und Co. Immerhin „rappte“ Harry in „Rapture“ bereits 1980, also Jahre bevor HipHop massentauglich wurde.

„Maria“, dem Comeback-Song von 1999, spielt Blondie in einer etwas zurückhaltenden aber grandiosen Version – für die jüngeren Semester an diesem Abend wohl das Highlight.

Mit „Dreaming“ verabschieden sich Blondie nach knapp 90 Minuten und einer energiegeladenen Show. Sie haben an diesem Abend bewiesen, dass sie zurecht Popgeschichte geschrieben und auch heute noch jede Menge Einfluss haben. Punk ist noch lange nicht tot, er ist nur ein bisschen älter geworden. Sehr charmant gealtert.

KURIER-Wertung:

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.