Björks neues Album ist auf iTunes bereits verfügbar, auf CD und Vinyl ab 27. Februar

© APA/EPA/FELIPE TRUEBA

Björk: Der Schmerz zwischen den Leben
01/24/2015

Björk: Der Schmerz zwischen den Leben

Die isländische Sängerin vertont auf "Vulnicura" das Ende einer Beziehung.

von Georg Leyrer

Bevor sie zur leicht unangenehmen, mitunter gar ein wenig peinlichen Erinnerung werden, sind Trennungen ja vor allem eines: ein hoffnungsloser, existenzerschütternder Alptraum.

Björk hat ihn vertont.

Mit all seinen Stationen.

Das langsame Abblättern der Gefühle. Der so sinnlose wie scheinwichtige Versuch, ein letztes Mal noch längst verlorene Nähe mit den Händen, mit dem Körper fassen zu können. Die Ratlosigkeit, wohin man sich nach dem Bruch mit dem Schmerz wenden soll, bei wem man sich beschweren soll.

Es sind eigentümlich kontur- und substanzlose Momente zwischen den Lebensabschnitten. Wie passend dazu Björks sehr eigener, kaum greifbarer Klangraum.

Die Isländerin arbeitet an der Neuen Musik des Pop, an abstrakter Darstellung sehr realer Emotion: Haltlos stehen die Geigenmelodien im Raum, die Elektronik wummert dagegen – die Musik fährt Vollgas, ohne sich fortzubewegen. Dann wieder – der Moment, bevor der Schmerz ankommt – steht ein einzelner Akkord lange, lange vor sich hin.

Und zwischen, über, unter all dem die suchende, drängende Stimme Björks, mit Texten, die ans Eingemachte gehen.

So viel Schmerz.

Zuletzt legt sich die zarte Stimme von Antony Hegarty wie eine Heilsalbe über die Trauer. Wie weit "Vulnicura" das Echo der realen Trennung Björks im Jahr 2013 ist – die Frage ist müßig, uninteressant. So weit entfernt der Orbit, auf dem Björk die reale und die Popwelt umkreist, oft scheint: Mit der neuen CD hat die Sängerin eine Songkollektion von rücksichtsloser, aber lebensnaher und allgemeingültiger Schönheit veröffentlicht.

Apropos veröffentlicht: Angesichts des hochpersönlichen Gehalts der Songs zeigt sich hier der neue Sport, geklaute Musik vorzeitig ins Netz zu stellen, als umso idiotischer. Björk hat deswegen die Veröffentlichung von "Vulnicura" zwei Monate vorziehen müssen. Als ob das Leben nicht auch sonst schwierig genug wäre.

KURIER-Wertung:

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.