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Kultur
03/29/2019

Billie Eilish: „Leute unterschätzen einen jungen Geist“

Die Newcomerin hat mit "When We All Fall Asleep, Where Do We Go?" ein beeindruckendes Debüt-Album veröffentlicht.

In jedem Bericht über Billie Eilish ist es das große Thema: Die Amerikanerin ist 17 Jahre jung und zeigt auf dem Album „When We All Fall Asleep, Where Do We Go?“ eine Reife, die man so schon sehr lange nicht mehr gehört hat.

Eilishs Sound: Kantiger Indie-Pop, der Goth- und Hip-Hop-Elemente vereint, aber auch lässig und souverän jazzige Piano-Elemente („Listen Before I Go“), elektronische Klang-Verfremdungen („You Should See Me In A Crown“) oder verträume Gitarren-Balladen („8“ und „I Love You“) in den Mix wirft. Gekrönt wir das Ganze von markanten Melodien und ihrem atmosphärischen Gesang, der manchmal an Lana Del Rey erinnert.

Das Argument, sie klinge älter als sie ist, hält die am 18. Dezember 2001 als Billie Eilish Pirate Baird O’Connell in Los Angeles geborene Musikerin für dumm: „Die Leute unterschätzen die Kraft eines jungen Geistes, für den alles neu ist“, erzählte sie kürzlich der britischen Online-Plattform NME. „Ältere sagen oft zu mir: ,Was weißt du von Dingen wie Liebe?’ Ich sage: ,Mehr als du! Denn ich fühle all diese Dinge gerade jetzt zum ersten Mal, wobei du Liebe vielleicht schon lange nicht mehr verspürt hast!’ Und selbst wenn doch, ist es auf jeden Fall ein anderes Gefühl, weil ältere Leute an gebrochene Herzen, den Tod von geliebten Menschen und Verliebtheit gewöhnt sind. Für mich ist es völlig neu und erschütternd. Und das ist doch die Basis für tolle Songs.“

„Ocean Eyes“ war der erste Erfolg von Eilish. Ihr Bruder Finneas O’Connell, der aus der TV-Serie „Glee“ bekannt ist, schrieb den Song 2015. Billie entwickelte mit ihrer Tanzlehrerin eine Choreografie für ein Video, das viral ging und Eilish sofort den Plattenvertrag einbrachte.

Dass sie deshalb von vielen als protegiertes Rich-Kid, gesehen wird, ärgert sie. „Ich bin in Highland Park in Los Angeles aufgewachsen, das damals runtergekommen war“, erklärte sie in einem Interview mit der englischen Tageszeitung Guardian. „Ich konnte nach Einbruch der Dunkelheit nicht raus, weil immer wieder geschossen wurde. Und wir waren arm: Ich hatte ein paar Schuhe.“

Ungeachtet der materiellen Sorgen der Eltern, die beide Teilzeitschauspieler waren, führt Eilish ihre Entwicklung zur reifen Künstlerin auf genau dieses Umfeld zurück. Denn ihre Eltern investierten alles, was übrig blieb, in kreative Projekte und förderten sie in allem, was sie tun wollte – Klavierstunden, die Tanz-Ausbildung oder das Songwriting mit ihrem Bruder.

Auch die Songs von „When We All Fall Asleep, Where Do We Go?“ hat Eilish mit ihrem Bruder zu Hause geschrieben und produziert – wie seit Beginn ihrer Karriere in Finneas’ Schlafzimmer, wo der sein Heimstudio hat. Die musikalische aber auch thematische Entwicklung seit „Ocean Eyes“ ist trotzdem beachtlich. Eilish singt über die Nebenwirkungen der Droge Xanax, den Tod eines Freundes, Albträume, und Teenager-Ängste.

9,3 Millionen YouTube-Abonnenten und 38 Millionen monatliche Spotify-Hörer hat Eilish – und damit auch auch jede Menge Hasser. Sie mokieren sich über ihren Baggy-Kleidungsstil (den sie für eine eigene Modelinie selbst entwirft) und werden noch viel grausamer. „Was für einen Scheiß Leute über dich sagen können, ist schon angsteinflößend“, erzählt sie. „Aber dann denke ich: ,Wer spielt Shows auf der ganzen Welt, wer darf machen, was er liebt? Wer macht Geld? Ich! Also Hater, verpisst euch.’“

INFO

Billie Eilish tritt am 15. August beim FM4-Frequency-Festival in St. Pölten auf.