Kultur
20.06.2018

"Best of Austria meets Classic": Brücke zwischen Alt und Jung

Die Stadthalle feiert mit einem Orchester-Konzert der Austro-Pop-Elite von Wanda (Bild) bis Ambros den 60. Geburtstag.

Marco Wandas Respekt für jemanden wie Wolfgang Ambros ist unendlich. Auch der von Pizzera & Jaus. Das sind ihre Roots! Und ich habe bei dieser Arbeit gemerkt, dass die Jungen wirklich diese Wurzeln studiert und davon gelernt haben. Das hat mich schon sehr stolz gemacht.“

Christian Kolonovits spricht von seiner Arbeit an „Best Of Austria meets Classic“. Mit diesem Konzert feiert die Wiener Stadthalle heute, Donnerstag, ihren 60. Geburtstag. Die Idee dahinter: Weil es das Ziel jedes heimischen Musikers war und ist, einmal in der historischen Location aufzutreten, all jene zusammenzubringen, die es geschafft haben (oder vielleicht in Kürze schaffen werden). Zusammen mit einem Orchester sollten sie auftreten, weil die Stadthalle anno dazumal mit einem Orchester-Konzert eröffnet wurde.

Duette

ROMY-Preisträger Kolonovits war die logische Wahl dafür, dieses Programm zusammenzustellen, die Orchester-Arrangements und die Partituren zu schreiben. Er hat seit den 70er-Jahren mit allen Austro-Pop-Größen – von Ambros über Georg Danzer, bis Ludwig Hirsch und Rainhard Fendrich – zusammengearbeitet.

„Best Of Austria meets Classic“ soll aber auch das neuerliche Aufblühen des Austropop in den vergangenen Jahren zelebrieren, die Elite der alten und der neuen Welle der heimischen Pop-Szene zusammenbringen: Conchita, Seiler und Speer, Voodoo Jürgens und Wanda sind dabei wie Opus und Gert Steinbäcker. Sie werden nicht nur alleine, sondern auch mit Leuten wie wie Wolfgang Ambros oder Marianne Mendt auftreten.

Erfolgsverwöhnt

Dass die Austro-Szene nach der ersten Erfolgswelle lange im Tiefschlaf war, schreibt Kolonovits Ö3 zu. „Die Roots, auf die sich Wanda und Co. beziehen, sind von Ö3 lange schlecht behandelt worden“, erklärt er im KURIER-Interview. „Ich dachte schon damals, wir brauchen diese Roots aber für die nachkommenden Musiker.“

Der 66-Jährige ortet aber auch bei sich und den Stars der ersten Hochblüte Fehler: „Es war zum Teil berechtigt, dass Ö3 immer weniger Austro-Pop gespielt hat. Denn in den 80ern gab es so viel Austro-Pop. Ich war damals jeden Tag im Studio und habe acht bis zehn Alben im Jahr produziert. Wir waren erfolgsverwöhnt und haben nur mehr gemacht, aber uns nicht mehr selbst korrigiert. Anfangs haben wir um jeden Satz und jeden Ton gekämpft. Und dann war es nur mehr ein Riesen-Startum, und wir haben nichts mehr hinterfragt. Dadurch ist in den 90er-Jahren nichts Neues mehr nachgekommen.“

Besser als Schönberg

Die Brücke zwischen der ersten und der zweiten Welle der österreichischen Pop-Musik herzustellen, war die eine Sache, die Kolonovits an der Aufgabe gereizt hat. Die andere: Auch die vielen Austro-Pop-Größen einzubinden, die schon gegangen sind, und so eine umfassende Feier der Szene von damals bis heute zu inszenieren. Zum einen, weil er diese Szene über den gesamten Zeitraum begleitet und geprägt hat. Zum anderen, weil er – obwohl er klassisches Klavier und Komposition studiert hat – ein glühender Verehrer der Pop-Musik an sich ist.

„Für mich sind die Beatles weitaus größere Komponisten als Schönberg. Denn die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Ära der Autodidakten, der Ungelernten, wodurch die Intuition gefördert wurde. Sie haben eine Gitarre genommen, drei Griffe gekonnt und dazu eine Melodie gemacht. Aus dieser Unschuld, diesem naiven Herangehen ist so viel entstanden. Denn diese Musiker hatten keine Ahnung von Skalen, oder Kompositions-Techniken. Deshalb konnten sie nur aus sich und dem Äther schöpfen und haben derart kraftvolle Musik gemacht.“

Alle Infos zum Event

Das einmalige Konzert findet heute, Donnerstag  (21. Juni) in der Wiener Stadthalle, genau 60 Jahre nach ihrer Einweihung statt. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Mit dabei sind Gert Steinbäcker und Schiffkowitz,  Opus, Klaus Eberhartinger und Wolfgang Ambros. Aber auch Seiler und Speer, Pizzera & Jaus, Voodoo Jürgens und  Wanda. Conchita wird mit einem Duett Udo Jürgens gedenken, und auch alle anderen schon verstorbenen Legenden der Szene werden in das Programm, das viele Überraschungen bietet, eingebunden. Christian Kolonovits begleitet all diese Musiker mit einem 70-köpfigen Symphonieorchester.

Tickets  gibt es heute noch an den Kassen der Stadthalle.