Beruf: Fernsehmodera­tor damals und heute

Eugen Freund ist der Neue in der "Zeit im Bild". Anfangs wurden Nachrichten von Schauspielern verlesen, heute werden sie von Top-Journalisten präsentiert.

"Ich würde meinen Berufsweg nicht als Zeit-im-Bild-Moderator beginnen wollen, aber ich sehe diese Aufgabe als krönenden Abschluss", sagt Eugen Freund, der vor wenigen Tagen offiziell die Nachfolge des aus dem ORF ausgeschiedenen Gerald Groß antrat. Er steuert, so er die Zeit im Bild um 19.30 Uhr präsentiert, journalistische Erfahrung, Gesicht und Persönlichkeit zur wichtigsten Informationssendung des Landes bei.

Als Eugen Freund 1974 beim ORF begann, gab es diesen Beruf noch gar nicht, damals wurden die Nachrichten von Schauspielerin verlesen, die Annemarie Berté, Herbert Kragora, Gerd Prechtl, Peter Fichna, Frank Lester und Hans Christian hießen.

Im Bild: Eugen Freund mit seiner "Zeit im Bild"-Kollegin Hannelore Veit Sie alle waren Publikumslieblinge, und doch ging man im ORF Ende der 1970er-Jahre vom Sprecher zum Moderator über. Als Teddy Podgorski (der 1955 der erste Zeit im Bild-Redakteur war, im Bild) Sportchef wurde, fand er, "dass der Sport von Leuten präsentiert werden muss, bei denen man das Gefühl hat, dass sie wissen, wovon sie reden. Und das sind eben Journalisten, die einem auch ohne Manuskript in der Hand erzählen können, was los ist." Gerd Bacher, damals ORF-Generalintendant, gefiel die Idee so gut, dass er auch die Nachrichtensprecher abzog und durch journalistisch geschulte Moderatoren ersetzte. Das ist natürlich keine Erfindung des ORF: Der erste "Anchorman" (= Ankermann) war der Amerikaner Walter Cronkite (links im Bild), der von 1962 bis 1981 täglich einem 20-Millionen-Publikum die CBS Evening News präsentierte. Er wurde weltberühmt, als er am 22. November 1963 nach den Schüssen von Dallas Emotion zeigte und unter Tränen den Tod von John F. Kennedy meldete.

Eugen Freund, der zwölf Jahre als ORF-Korrespondent bzw. Mitarbeiter des Österreichischen Presse- und Informationsdienstes in den USA lebte, lernte Cronkite persönlich kennen und sieht ihn "als absolutes Vorbild, was seine Glaubwürdigkeit betrifft". Tatsächlich hatten die Amerikaner zu "Onkel Walter", wie sie ihn nannten, mehr Vertrauen als zu den meisten ihrer Präsidenten.

Das wusste auch Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson, der während des Vietnamkrieges sagte: "Wenn wir Cronkite verloren haben, haben wir den Krieg verloren". Nach seinem Abschied von den Evening News übertrug Cronkite 24 Jahre lang das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker in die USA. Er starb 2009 mit 92 Jahren. Sein Nachfolger Dan Rather wurde als CBS- Anchorman auf eine Jahresgage von 20 Millionen Dollar geschätzt.

Im Bild: In den USA lernte Eugen Freund den berühmtesten aller "Anchormen" kennen, jetzt ist er selber einer. So reich werden Österreichs Fernsehmoderatoren nicht, zumal sie an das Gehaltsschema des ORF gebunden sind. Der hierzulande erste Anchorman war Hugo Portisch (im Bild) – auch wenn er die Nachrichten nicht ansagte, sondern kommentierte. Er war das Aushängeschild der von Gerd Bacher initiierten Informationsexplosion. Für die News war zwei Jahrzehnte Horst Friedrich Mayer (rechts im Bild) zuständig, ab 1986 nicht nur als Präsentator, sondern auch als Chefredakteur. In seiner Zeit starteten die ZiB- Doppelmoderationen und somit die ersten weiblichen Redakteure am Bildschirm, darunter Ursula Stenzel, Ricarda Reinisch, Danielle Spera (links im Bild) und Hannelore Veit. ZiB-Chef Mayer ließ aber auch seine Rivalen Josef Broukal und Robert Hochner (im Bild) hochkommen, was für alle Beteiligten nicht ganz einfach war, da jeder unter dem Druck stand, wer vom Publikum (mittels ROMY) zum beliebtesten Moderator gewählt würde. Umso schlimmer traf es Horst Friedrich Mayer (im Bild), als Gerd Bacher ihn 1992 vom Bildschirm abzog, "weil man nicht gleichzeitig Moderator und Chefredakteur" sein könne. Nach Bachers Pensionierung holte man Mayer als "Mr. Zeit im Bild" und "wichtigste Waffe gegen die Privaten" zurück. Ähnliches erlebte Hannelore Veit (im Bild), die 2003 in der Mittags-ZiB landete, da sich der ORF vom amerikanischen Erfolgsprinzip der "vertrauten Gesichter" trennte, um neue Leute einzusetzen. Nach fünf Jahren stand fest, dass dies der falsche Weg war und Hannelore Veit kehrte in die ZiB um 19.30 Uhr zurück, zu deren Stars sie heute neben Tarek Leitner, Marie-Claire Zimmermann und ihrem neuen Co-Moderator Eugen Freund zählt. Die beliebtesten Moderatoren der ZiB 2 waren Robert Hochner (Bild 7) und Ingrid Thurnher (im Bild), heute wird die Sendung von Armin Wolf und Lou Lorenz-Dittlbacher präsentiert. Hochner starb 2001 mit 55 Jahren, Mayer 2003 mit 65. Ehe Eugen Freund dieser Tage definitiv die Nachfolge von Gerald Groß antrat, musste er sich einem Casting stellen. Dass der 60-jährige TV-Profi als ältester seiner in Frage kommenden Kollegen das Rennen machte, ist insofern eine Sensation, als man im Fernsehen lange Zeit dem Jugendwahn erlegen war. Wobei die Art und Weise, wie man langgediente ORF- Stars einst abschob, nicht sehr nobel war: die ZiB- Moderatorin Margit Czöppan wurde mit der Begründung, sie sei dunkelhaarig (!) aus der Sendung gedrängt. Der langjährige Sprecher Peter Fichna (im Bild) kam mit 50 ohne Angabe von Gründen ins Radio: "Man ließ mich von einem Tag zum anderen nicht mehr auftreten", erinnert er sich. "Niemand hat mir etwas gesagt, ich stand einfach nicht mehr auf dem Dienstplan."

Als man Zeit im Bild-Lady Ursula Stenzel, ebenfalls mit 50, in den Hörfunk versetzte, verließ sie den ORF und wechselte in die Politik. Das neue Buch von Georg Markus ist soeben erschienen: Das Buch "Schlag nach bei Markus, Österreich in seinen besten Geschichten und Anekdoten", erschienen im Amalthea Verlag, 336 Seiten, zahlreiche Fotos, € 24,95

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Autor im kurierclub.kurier.at
(reis) Erstellt am
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