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Literatur
10/04/2019

Bernhard Aichner: Sein bester Thriller

Kaum erschienen, wurden die Filmrechte verkauft. Schnuggis freuen sich über "Der Fund" und eine Bananenschachtel .

von Peter Pisa

Der nächste Roman des Tirolers Bernhard Aichner (Foto oben), der seine vielen Fans „Schnuggis“ nennt (aber immer noch besser als Pupskartoffel; die Neue Zürcher Zeitung berichtete kürzlich über den Hang zu seltsamen Kosenamen).

Also, die Schnuggis werden eine Mordsfreud’ haben, wenn im Supermarkt eine immer freundliche Verkäuferin in einer Bananenschachtel aus Südamerika etwas sehr, sehr Wertvolles findet.

Schnupf, schnupf.

Wenn man weiß, dass sich bei Rita das Schicksal ausgetobt hat – Eltern bei Unfall gestorben, Sohn bei Unfall gestorben, Ehemann Alkoholiker geworden –, dann ist es verständlich, dass die Mittvierzigerin nach Jahren der Agonie zugreift und versucht, ein neues Leben zu starten.

Ab sofort ist sie eine Rechtsanwältin in Brüssel und schläft mit einem schlecht verheirateten Staatsanwalt.

Kleider und Frisuren machen immer noch Leute.

(Als der Staatsanwalt später erfährt, dass Rita nur eine Verkäuferin war, ist er ganz entsetzt: Er und eine kleine Verkäuferin? Kann nicht sein! Darf nicht passieren! Das ist eine wunderbar komische Stelle im Buch. Denn österreichische Staatsanwälte haben bestimmt nichts gegen Sex mit einer Verkäuferin.)

Verblüfft

Schon bevor Bernhard Aichner den Krimi beginnen lässt, hasardiert er und verrät:

Rita wird töten und wird getötet werden.

Dann erst stellt ein geheimnisvoller Polizist Fragen an Zeugen, anfangs versteht er überhaupt nichts, die

Leser verstehen etwas mehr.

Bei diesen Frage-Antwort-Spielen ist Aichner durchaus willens, ordentliche Sätze zu schreiben. Hurra. Beim Rest des Romans macht er wieder Stakkato.

Aber warum soll sich ein erfolgreicher Autor abgewöhnen, kurze Sätze zu schreiben, die durchfallen wie ... na gut, lassen wir das, die Schnuggis mögen es jedenfalls, sie machen jedes Buch zum Bestseller.

Jetzt kommt das Lustigste überhaupt: „Der Fund“ ist der beste Roman, den Aichner bisher geschrieben hat. Diese Feststellung wird ihn vermutlich verblüffen. Man wundert sich ja selbst darüber.

Aber das Buch tut nämlich gut, auch noch, während es unterhält, während geprügelt und z. B. ein böser Zahnarzt umgebracht wird.

Kaum erschienen, wurden die Filmrechte verkauft. Produzentin Ariane Krampe kann sich eine Miniserie gut vorstellen.

 


Bernhard
Aichner:
„Der Fund“
btb.
352 Seiten.
20,60 Euro.

KURIER-Wertung: ****