© Angelina Castillo

Kultur
06/01/2021

Bei Lambchop verschmelzen Eggs Benedict mit Visionen über „Giganten“

Band-Mastermind Kurt Wagner zeigt mit „Showtunes“ seine Leidenschaft für experimentelle Klänge und amerikanische Standards

„Ich hab ein Album gemacht, das ich eigentlich gar nicht spielen kann! Denn vielleicht bräuchte ich dazu 18 Finger.“

Kurt Wagner muss selbst über diese Aussage lachen, erklärt im KURIER-Video-Telefonat dann aber schnell, wie er darauf kommt: „Ich habe entdeckt, dass ich mit der Gitarre Klavier spielen kann. Dabei werden die Gitarrentöne digitalisiert, klingen dann wie ein Klavier und man kann andere Töne digital dazu geben. So habe ich mir Akkordstrukturen aufgebaut, die man so vielleicht gar nicht spielen kann, weil die Töne zu weit auseinanderliegen oder man eben mehr als zehn Tasten anschlagen muss. Aber das einzige Kriterium für mich war, dass es in meinen Ohren gut klingt.“

„Showtunes“ heißt dieses eben erschienene Album des 61-jährigen Musikers aus Nashville, weil er dabei mit modernen Sounds die Dramatik von Showtunes, wie man sie aus den Werken von Gershwin und anderen Broadway-Komponisten kennt, nachempfindet.

Dafür legt der Mastermind des Band-Projektes Lambchop seine wunderschönen Melodien über eine sphärische Elektronik-Basis und reichert dieses Ambient-Feeling mit Bläsern, echtem Klavier, Beiträgen des Kölner DJs Twit One und seinem melancholischen Gesang an.

„Die Arbeitsweise hat mich von vielen Einschränkungen befreit, die ich als jemand, der nur Gitarre spielt, immer hatte“, erzählt Wagner. „Das hat auch bewirkt, dass ich in meinen Texten konkreter und direkter sein wollte als ich das üblicherweise bin. Ob das gelungen ist, weiß ich nicht. Ich habe mich zumindest bemüht.“

Trotzdem will Wagner auch beim Album „Showtunes“ nicht auf Aussagen seiner Texte eingehen. „Oft weiß ich selbst nicht, worum es geht. Das kommt aus meinem Unterbewusstsein, und wenn es gut klingt und im Gefühl zur Musik passt, reicht mir das schon. Bei dem Song ,The Last Benedict’ hab ich zum Beispiel Gedanken an die Familie Benedict aus dem Film ,Giganten’ mit Gedanken an das Gericht Eggs Benedict verwoben. “

Glücklich macht Wagner, der mit der demokratischen Politikerin Mary Mancini verheiratet ist, auch das Ende der Präsidentschaft von Donald Trump. „Am Beginn war das eine Zitterpartie, weil er die Wahl nicht anerkannt hat. Gefeiert haben meine Frau und ich erst, als er das Weiße Haus tatsächlich verlassen hat. Aber es tut nach diesen vier Jahren so gut, nichts mehr von ihm zu hören, nicht täglich zu hören, welchen Blödsinn diese verrückte Person heute wieder getweetet hat.“B. Schokarth

Es sei ihm schon oft passiert, erzählt er weiter, dass es Jahre später Ereignisse auf der Welt gab, wo „es gefunkt hat, und ich dachte, ah, das habe ich damals damit gemeint“.

Obwohl Wagner immer wieder auch Sozialkritik in seine Songs einbaut, ist eine klare Botschaft nicht sein Ziel. „Ich mache Musik, weil ich es liebe, das zu tun, und mich das glücklich macht.“

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