© KunstHausWien/Benoit Aquin

Ausstellung
09/23/2020

Aufwühlende Ausstellung zum Klimawandel: Auch die Welt zeigt Symptome

"Nach uns die Sintflut“ (bis 14. Februar) im Kunst Haus Wien.

von Georg Leyrer

Man hat zur Zeit, und eigentlich bis auf Weiteres, ja die Schnauze voll von gesamtmenschheitlichen Problemen.

Es hilft aber nichts. Denn während der Coronakrise ist vor der Klimakrise. Und nicht einmal das stimmt mehr: Die Klimakrise ist – frei nach William Gibson – schon da, sie ist nur ungleich verteilt.

Es sind gespenstische Bilder voller überraschend entspannter Schönheit, die das Kunst Haus Wien nun angesammelt hat. Dokumente dessen, dass sich – nur von Europa aus gesehen abgelegene – Landstriche längst in außerirdisch anmutenden Brachlandschaften verwandeln.

Hundertwassers Erbe
Das von Bettina Leidl geleitete Kunst Haus Wien im Hundertwasser-Haus hat sich als „Grünes Museum“ der Umweltthematik, Nachhaltigkeit und der künstlerischen Fotografie verschrieben. Die Ausstellung „Nach uns die Sintflut“ soll „zum Handeln anregen“, wird betont.

Die Künstler der Schau   
In der Ausstellung (bis 14.2.) sind Arbeiten von u. a. Verena Dengler, Stephan Huber, Frank Thiel oder Anastasia Samoylova zu sehen. Öffnungszeiten und weitere Infos unter kunsthauswien.com

In Überflutungszonen, denen die dort Wohnenden gerade noch so trotzen.

In Gegenden, die den Reichtum ihrer Vergangenheit bereits verloren haben.

„Nach uns die Sintflut“ heißt die Ausstellung (bis 14. Februar). Aber das biblische Schuld- und Sühne-Bild führt zweifach auf die falsche Fährte: Erstens stammt der Satz aus Marx’ „Kapital“. Und die nächste Krise haben wir (wie der unbeirrbare Hackenmann, der sich im Video „Räumliche Maßnahme“ gewissenhaft selbst im Eis eines Sees versenkt) einander selbst eingebrockt.

Die Menschen von einst den Menschen von Morgen, die reichen Menschen zuerst einmal den armen Menschen.

Innehalten

Deren Geschichten werden gerne und allzu leicht beiseite gewischt. In den Medien gelten sie als Klick-Gift (wer interessiert sich für Menschen im Iran, auf irgendwelchen Südseeinseln...). In der Politik sind es genau jene Menschen, über deren Schicksale hinweg man mit Außenhärte innenpolitische Punkte sammeln kann. Bei den gezeigten Fotos aber hält man inne, auch emotional.

Wenn etwa Menschen in Bangladesch Sandsäcke in irrer Zahl auftürmen, um dem Ganges noch etwas länger das eigene verschwindende Land abzutrotzen.

Wenn iranische Familien durch die Reste des einst weltweit zweitgrößten Salzwassersees Urmia waten, vorbei an für immer gestrandeten Schiffen.

Wenn Bäume hoch im Norden wie Besoffene ins Wanken kommen, da ihnen der Permafrostboden um die Wurzeln wegschmilzt.

Wenn man einer Großmutter beim Spiel mit ihrem Enkerl zusieht, auf den Stufen vor dem Haus, dessen Fundamente bereits überflutet sind.

Das Anliegen des Ganzen ist klar, zum Glück hält die Kunst dies aus: Was auch nur eine Konsensvorlage für jene sein könnte, die den Klimawandel eh schon wichtig finden, führt doch weit darüber hinaus.

Brennende Böden, denen Methan entweicht; die Bauarbeiter, die im arabischen Raum dem Meer Luxusbauten abringen; ein herausgeputzter Schüler, um den herum die Welt längst ins Wasser abgebröckelt ist; „Blade Runner“-gelbe Sandschwaden im unfruchtbar werdenden chinesischen Industriegebiet: Es sind im Hinterkopf bleibende Bilder, die echt keine Lust auf die kommende Krise machen.

Viel wird jetzt gejammert, dass man auf Corona besser vorbereitet hätte sein können. Man könnte daraus etwas lernen.

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