Kultur
14.03.2016

Auch die Freiheit nach dem Keller ist schwierig

Der Regisseur gibt der Kidnapping-Story ein Happy End. Oder doch nicht.

Es gibt – wer sich die Spannung bewahren und den Film zuerst sehen will, bitte nicht weiterlesen! – ein Happy End in "Room": Dem kleinen Jack gelingt die Flucht und er kann auch seine Mutter retten. Aber die Freiheit ist kein Honigschlecken, leider. " Emma Donoghue, die das Buch und das Drehbuch zu ,Room‘ geschrieben hat, vergrub sich regelrecht in Gedankenspiele darüber, wie das Kind, das noch nie aus dem Keller hinausgekommen war, seinen Eintritt in die Welt verkraften würde", so Regisseur Lenny Abrahamson. "Und sie kam zum Schluss, dass das Dasein in der rauen Welt draußen sehr schwierig ist. Für Mutter und Kind. Fast wie ein neuerliches Trauma."

In einer rührenden Szene stehen Ma und der kleine Jack im Badezimmer der Großeltern und Jack sagt unvermittelt:"Ich vermisse den Kellerraum. Da hat es nur uns beide gegeben." Diese perfekte Zweisamkeit, wie beide sie nie wieder erleben werden. Plötzlich sind da viele "Störfaktoren" um sie herum.

Dass Donoghues Buch das Potenzial zum Kinohit besitzt, habe er gleich erkannt, als er es gelesen habe, meint Abrahamson: "Ich fand den Ansatz von Emma beeindruckend, die positiven Aspekte der Mutter-Sohn-Beziehung in dieser Extremsituation der Gefangenschaft herauszustreichen. Sie führte ganz plastisch vor Augen, wie Kinder aus dem ganz Wenigen, das sie haben, ihren eigenen Kosmos erschaffen können und damit zufrieden sind. Wenn sie nur in einer stabilen Beziehung leben und Geborgenheit spüren. Ich habe es dann als größte Herausforderung gesehen, diese Fähigkeit des kleinen Buben, selbst in der tristen Umgebung des Verlieses Glück zu verspüren, zu transportieren."

Der Fall Fritzl sei "eine Inspiration" für Emma Donoghue gewesen, aber sie wollte sich nicht nur auf die dunkle Seite schlagen: "Wie können Eltern trotz widrigster Umstände ihrem Kind noch etwas Positives vermitteln, das war die die zentrale Frage für uns beim Script. Ich denke, wir haben das dann ganz gut hingekriegt."