Eine betörende Primadonna und ein Komponist mit vokaler Power

Anja Kampe begeisterte in der Strauss-Oper als betörende Primadonna - und Samantha Hankey als Komponist mit vokaler Power
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Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ verlangt von ihren Interpreten sehr viel. Das leistet Anja Kampe als betörende Primadonna in der Wiener Staatsoper. Sie lässt ihren dramatischen Sopran strömen. Ihr silbrig gleißendes Timbre dunkelt sie wie mit einem Umschalthebel ab, wenn sie im Monolog vom „Totenreich“ singt. Sie verkörpert die Sehnsucht, die Verblendung ihrer Figur. Diese Sängerin braucht keine großen Gesten, sie drückt Emotionen mit ihrer Stimme aus.

Clay Hilley, der sich bereits als Tannhäuser in Wien bewährt hat, stellt sich den Herausforderungen des Bacchus sehr tapfer. Er singt wortdeutlich. Seine Stimme ist nicht die größte, daher wäre es kein Schaden, wenn er die „Circe“-Rufe nicht aus dem Zuschauerraum, den Rolf Glittenberg auf die hintere Bühne für Sven-Eric Bechtolfs klare Inszenierung gebaut hat, seiner Ariadne entgegenschicken hätte müssen.

Das herausragendste Debüt ließ Samantha Hankey als Komponist erleben. Mit ihrer feinen Diktion, vokaler Power, Intensität und klarem Timbre zieht die Amerikanerin in ihren Bann – wie ihre Landsfrau Erin Morley, die sich als Zerbinetta mit ihren virtuosen Koloraturen immer wieder bewährt.

Bernhard Schir ergänzt als Haushofmeister, auch die den kleineren Partien sind solide besetzt. Cornelius Meister bringt mit seiner forschen Hektik immer wieder alles zum Wackeln, was auf Kosten der Strauss’schen Magie geht. Viele Bravos für das Sänger-Ensemble. 

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