Kultur
20.03.2018

Anna von Hausswolff: Verführt von Pfeifenorgeln

Anna von Hausswolff wurde am 6. 9. 1986 in Göteborg geboren © Bild: City Slang/Anders Nydam

Die Schwedin spricht über den Verlust der Fantasie, Zombies und den "Krach" ihres Vaters, der Klangkünstler ist.

„Es war ironisch: Mit dem vorigen Album ,The Miraculous‘ wollte ich die Magie der Imagination feiern. Aber genau das hat mir dann meine Imagination geraubt!“

Für Anna von Hausswolff war die Zeit nach der Tour zu „The Miraculous“ wie der Fall in ein Schlagloch. „Ich war erschöpft, fühlte mich überflüssig und hoffnungslos“, erzählt die 31-Jährige im Interview mit dem KURIER. „Ich machte weiter Musik, aber gespürt habe ich nichts dabei.“

Deshalb hat die Tochter des Avantgarde-Klangkünstlers Carl Michael von Hausswolff ihr dabei entstandenes neues Album „Dead Magic“ genannt. Und das zeigt, wie subjektiv ihr Eindruck , nichts zu spüren, war. Denn die Platte geht mindestens genauso tief wie der Vorgänger.

Wieder baut von Hausswolff aus einer Kirchenorgel, elektronischen Verfremdungen, Streichern, Percussion und ihrer Gesangsstimme Soundlandschaften auf, die zu jeder Zeit genauso mystisch, fremd und gespenstisch wie zauberhaft schön sind.

© Bild: Universal Music/City Slang

Erdig und extrem

„Direkter und extremer“, sagt die Schwedin, sei sie dabei geworden, dass sie sich über diesen erdigeren, energischeren Ansatz den Kontakt zu ihren Gefühlen und zur Imagination zurückerobern konnte. Mit einer Interpretation der neuen Songs hält sich die ehemalige Klavierstudentin allerdings zurück.

„Es ist schwer für mich, nachzuvollziehen, was ich damals gedacht habe“, sagt sie. „Ich bin auch dagegen, dass unsere Gesellschaft heute alles transparent macht. Kunst soll deine Fantasie stimulieren. Sie gibt dir ein paar Werkzeuge in die Hand, mit denen du deine Interpretation, deine eigene Welt kreieren kannst. Erst so wird sie magisch. Wenn aber immer alles genau erklärt wird, verlieren wir möglicherweise die Fähigkeit, so zu fantasieren.“

Das mystische Element in ihrer Musik kommt vom Vater. Er versuchte, für sein Projekt „Operations Of Spirit Communications“ mit Radar und Oszilloskop Botschaften aus dem Jenseits aufzuzeichnen. Als Teenager hörte Anna sich das stundenlang an: „Meistens war es nur ein Rauschen, aber hin und wieder hörte man deutlich Wörter.“

Fan einer Girlband

Auch die Lust zu experimentieren hat die zierliche Blondine von ihrem Vater. „Ich war als Kind ein Fan der Girlband TLC. Die Klangwelt meines Vaters war damals für mich nur Krach. Ich hab das nicht verstanden. Aber meine Schwester und ich spielten immer in dem Raum, in dem er Musik machte. Und die Spannung, die er erzeugte, hat mich schon damals fasziniert. Trotzdem war mir seine Klangwelt auch in der Highschool, als ich Klassik lernte, noch fremd. Ich hab erst in den letzten Jahren einen Bezug dazu bekommen. “

Zur Pfeifen-Orgel kam von Hausswolff auf einer Hallo ween-Party. „Dabei sprach mich ein Zombie an. Er sagte: ,Ich bin Orgelbauer, mag dein erstes Album und finde, das Instrument würde gut zu dir passen. Ruf mich an, wenn dich das interessiert und du mal eine spielen willst‘. Das war so eigenartig, dass ich im Internet recherchiert und später bei ihm alles über die Mechanik und Register gelernt habe. Und jetzt liebe ich Kirchenorgeln. Sie sind erstaunliche Maschinen mit einem verführerischen Klang und viel mehr Möglichkeiten als andere Instrumente – einfach faszinierend.“