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Kultur
08/14/2019

Alexander von Humboldt: Elf Kilo unbekannte Schriften

Zum 250. Geburtstag des Naturforschers: Über Muskelzuckungen, Hunderassen, Erdbewegungen, Zwiebelgeruch, Riesenschlangen ...

Man kann sich Alexander von Humboldt gut vorstellen, wie er eine tote Boa in fließendes Wasser hält und über einen Zeitraum von drei Wochen beobachtet ....
Dazwischen denkt er über die enge Verwandtschaft von Asperella  mit  Elym. Hyastrix nach. Dazwischen diskutiert er mit Napoleon und Darwin.
Dazwischen fragt er sich: Wieso zuckt eine Muskelfaser, wenn sie mit Zink in Berührung kommt – aber warum zuckt sie nicht, wenn auch Silber im Spiel ist – aber warum zuckt sie doch, wenn auf dem Silber ein Tropfen Wasser ist?

Vermessen

Auch beschäftigen ihn die Erdsenkung im Kaspischen Meer und die Zwiebel-Ausdüstung von Menschen in der Provence.
... und nach drei Wochen ist von der Riesenschlange nichts übrig geblieben, keine Haut, keine Knochen, nichts – außer ein Bündel langer Fasern, die als Saiten für Gitarren verwendet werden können.
Nein, Gitarre spielt er nicht auch noch.
Elf Kilo Humboldt wurden Anfang der Woche an Buchhandlungen ausgeliefert. Ab morgen, Mittwoch, sind erstmals sämtliche  Schriften des Naturforschers abseits seiner bekannten „Kosmos“-Bücher erhältlich.
6800 Seiten in sieben Text- und drei Kommentarbänden. Von Anthropologie über Hunderassen bis  Klimatologie. Die Studienausgabe um 257,10 Euro, die Vorzugsausage um 390 Euro.
Er war so vermessen, mit unstillbarem Wissensdurst die Welt neu zu vermessen und schaffte etwas –  dafür braucht’s normalerweise 20 Leben mindestens.
Zu seinem 250. Geburtstag im September wird viel  über ihn zu sagen sein, auch im KURIER. Damit man sich seinen Namen nicht nur im Zusammenhang mit Pinguinen merkt (Fütterung in Schönbrunn täglich um 11.30 Uhr).
Manieren hatte Alexander von Humboldt auch. Als er einen Journalisten bat, ein Werk zu besprechen, schrieb er ihm: „Schenken Sie mir die Fortdauer Ihrer Gewogenheit und nehmen Sie die Versicherung der innigen Hochachtung an, mit der ich ewig sein werde etc“
Heute glaubt jeder Autor, es sei Pflicht, dass Zeitungen über sein Buch berichten; und zwar lobend.

Alexander von Humboldt: „Sämtliche Schriften“

Herausgegeben von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich. dtv.6848 Seiten.

257,10 Euro  bzw. 390 Euro.

KURIER-Wertung: *****