Zu Besuch bei Schauspieler Ernst Walder, der mit einer Reihe von Oscar-Preisträgern gemeinsam vor der Kamera stand und heute zurückgezogen in Pernitz lebt. Mit dabei: Uwe Mauch und Nachbar Karl Rupsch mit seiner Frau.

© gilbert novy

Nebendarsteller
02/21/2013

Agenten leben einsam

Ernst Tahedl stand mit so mancher Oscar-Größe vor der Kamera

von Uwe Mauch

Roger Moore muss auf dem Set ein Lustiger gewesen sein. „Kaum war dann die Szene im Kasten, hat er uns zum Lachen gebracht“, erzählt Ernst Tahedl. Moore konnte seine Kollegen aber auch zur Verzweiflung bringen: „Dann hat er, kurz bevor die Klappe fiel, erklärt: Also, weißt du was, du sagst jetzt das, und ich sag dann das.“

Die Augen von Ernst Tahedl leuchten. Noch wenige Stunden bis zur Oscar-Nacht in Los Angeles. Auch er wird sich die Filmpreis-Verleihung wieder im Fernsehen ansehen. Ganz alleine. In seinem restaurierten Bauernhaus in einem Nebental der Gemeinde Pernitz. Am Rande eines tief verschneiten Waldes, weitab von Hollywood und roten Teppichen.

Wieder läuft vor seinen Augen der Film seines Lebens ab: Als er sich Ernest Walder nannte. Als er mit den Großen und den ganz Großen der internationalen Filmbranche drehen durfte.

Oscarreifer Kuss

Was wenige außer ihm wissen: Bevor die Academy of Motion Picture Arts and Sciences der englischen Schauspielerin Julie Christie 1966 den Oscar als beste Hauptdarstellerin in dem Film „Darling“ überreicht hat, war auf der Leinwand eine kurze Kuss-Szene zu sehen. Mit Christie – und dem Steirerman aus Leoben.

Der wurde 1927 als viertes Kind eines Alpine-Arbeiters und einer Hausfrau geboren. Ironie der Geschichte: Im Frühjahr 1945 flüchtete Tahedl als blutjunger Mitläufer der Hitler-Wehrmacht vor den anrückenden Briten und Amerikanern – von Bludenz zu Fuß in die Obersteiermark. Nur wenige Jahre später spielte er als Ernest Walder in englischen und amerikanischen Filmproduktionen gut aussehende, aber böse Nazis. Oder linke Agenten.

„Ich dürfte nicht schlecht gewesen sein“, sagt Tahedl mit einem Augenzwinkern, während sein braver Hund Duke, mit dem er sich vorwiegend in englischer Sprache unterhält, mit dem Schwanz wedelt. „Sonst hätte die Academy die Szene mit Julie Andrews und mir ganz sicher nicht ausgewählt.“

Seine Karriere beim Film war für ihn vorgezeichnet: „Ich wollte schon mit sieben Jahren Schauspieler werden.“ Und doch war der Weg dorthin steinig: „Im Krieg ist keine Zeit für Theater. Und in England habe ich zuerst als Butler und Hausmeister gearbeitet.“ Die Kosten für seine Schauspielausbildung hat er sich mühsam mit Zusatzjobs verdient: „Schuhe putzen, Hemden bügeln.“

Gespielt hat er dann mit Yul Brynner („der hat sich bei mir entschuldigt, weil er in der Früh schlecht aufgelegt war“), Clint Eastwood und Richard Burton („angenehme Typen, ohne Allüren“). Die Liste seiner Ex-Kollegen ist lang. Bilder und Urkunden im Badezimmer zeigen ihn mit Max von Sydow, Hardy Krüger und George Segal. Und er erwähnt: „Britt Ekland, Senta Berger, Kurt Russell.“ Auch die Liste der Filme, in denen er mitgewirkt hat, kann sich sehen lassen: Einer kam durch. Keine Zeit zu sterben. Agenten sterben einsam. Der eine oder andere Titel erinnert auch an sein Leben.

Agenten leben einsam – und sie leben von der Erinnerung: Die Nebenrollen in den Hollywood-Produktionen waren nett. Wirklich bekannt wurde Walder alias Tahedl aber im englischen Hauptabendprogramm, vor allem in der TV-Serie Coronation Street. Die gilt als Vorbild für die deutsche Lindenstraße: „Ich habe dort gleich zu Beginn und dann mehrere Jahre hindurch einen polnischen Arbeiter gespielt.“

Windeln und Ohrfeige

Gerne zitiert der 86-jährige Schauspieler im Ruhestand einen Kommentar aus dem Daily Mirror, in dem der damals neuartigen Soap Opera kein allzu langes Leben vorausgesagt wurde.

Es sollte anders kommen. Die Serie läuft seit 1960, bis heute, ohne Pause. Dafür mit Kult-Status: „Sogar vor dem Pariser Eiffelturm wurde ich angesprochen.“ In guten wie in schlechten Zeiten: „Als ich meine schwangere TV-Frau vor der Kamera beschimpft habe, bekam ich am Tag nach der Ausstrahlung in einem Londoner Kaufhaus eine Ohrfeige, von einer älteren Dame.“ Der damals Geschlagene greift sich an die Wange, dann muss er lachen: „Als unser TV-Sohn geboren wurde, schickte man mir Zigarren, Champagner und Baby-Spielzeug.“

Das Spielzeug habe er an die Jugend-Wohlfahrt weitergeleitet. Dafür hat er sich in die TV-Schwiegermutter seiner TV-Frau verliebt. „Sie ist leider im Jahr 1988 verstorben“, erwähnt der Steirer, den die Engländer aufgrund seines Akzents für einen Waliser hielten. Eigene Kinder erwähnt er nicht.

In der Nacht auf Montag will Tahedl einem Landsmann die Daumen drücken: „Christoph Waltz hat in seinen letzten Rollen für mich sehr überzeugend gespielt.“

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