Promis im Blickpunkt bei Frankfurter Buchmesse
Zehntausende Lesebegeisterte haben am Samstag die Frankfurter Buchmesse gestürmt. Besonders groß war der Andrang bei Prominenten von Mario Adorf über Daniela Katzenberger bis zu Rafik Schami und Volker Kauder, die auf den Bühnen über ihren neuen Bücher oder ihre eigenen Lesegewohnheiten berichteten. Auch fantasievoll und schräg verkleidete Manga-Fans und Cosplayer mischten sich unters Publikum.
Mike Krüger (63) stellte sein neues Buch "Mein Gott Walther" vor, in dem es sehr klamaukig zugeht. So probierte er mit Karl Dall und Jürgen von der Lippe in einem Fünf-Sterne-Hotelzimmer in Baden-Baden Anfang der 1980er als "wissenschaftliches Experiment" aus, wie teuer der komplette Inhalt einer Minibar ist. Das Trio fand es heraus: 689,50 Mark.
Flüchtlingskrise
Viel ernster ging es beim aus Syrien stammenden Schriftsteller Rafik Schami (69) zu, der in der Flüchtlingskrise die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung lobte und zugleich die Konzeptlosigkeit der Bundesregierung kritisierte. "Diese großartige Bevölkerung hat andere Politiker verdient. Politiker, die nicht leichtsinnig die Grenzen aufmachen, ohne sich vorbereitet zu haben." Schami spöttelte in Richtung Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): "Diese großartige Geste von Mutter Teresa, die Grenze aufzumachen." Das Wort Grenze sei auf einmal ein Schimpfwort. "Aber wir brauchen Grenzen." Die europäische Flüchtlingspolitik sei ein einziges Chaos.
CDU-Politiker Volker Kauder (66) schwärmte auf der Messe von der "unglaublichen Sprache" der Afrikanerin NoViolet Bulawayo, die mit ihrem Roman "Wir brauchen neue Namen" einen Welterfolg erzielte. Es geht darin um Kinderbanden und eine Flucht von Simbabwe in die USA. Das Buch passe in die Zeit, sagte Kauder. Es zeige auch, wie groß der Verlust an Identität und Kultur für Menschen sei, die ihre Heimat verlassen müssten.
Für den britischen Kunsthistoriker und Buchautor Neil MacGregor (69) zeigt sich am Beispiel von Siegesdenkmälern eindrucksvoll, wie unterschiedlich Deutsche und Briten mit ihrer Geschichte umgehen. Während der Triumphbogen in London die britischen Heldentaten feiere, sei das vom Krieg versehrte Siegestor in München zugleich auch Mahnmal für den Frieden. "In Deutschland blickt die Geschichte immer nach vorne", sagte MacGregor. Statt Verklärung wolle man Lehren ziehen.
Mario Adorf über "Winnetou"-Zeiten
"Ich habe die Dunja Rajter dem Lex Barker und dem Pierre Brice vor der Nase weggeschnappt", erzählte Adorf am Samstag lächelnd auf der Frankfurter Buchmesse über die "Winnetou"-Dreharbeiten in den Sechziger Jahren. "Die Dunja war damals füllig, richtig ein tolles Weib, grüne Augen, schwarze Haare", schwärmte Adorf rückblickend. Er spielte damals den "Winnetou"-Gegenspieler Santer. Beim Buhlen um sie habe er einen "Vorteil" gegenüber Brice (Winnetou) und Barker (Old Shatterhand) gehabt - er habe Rajter schon mal zuvor bei einem anderem Termin getroffen. "Als ich also mit dem Pierre und dem Lex am Set zusammensaß, kam sie und fiel mir direkt um den Hals: "Mario, Mario, wie geht's?" Und so konnte ich sie schnell für mich erobern." Zu "Winnetou"-Zeiten sei "viel geliebt" worden.
Und: Bis heute werde er mit der bösen Santer-Rolle verbunden. "Noch 50 Jahre später werde ich auf der Straße angesprochen: 'Also Herr Adorf, dass sie die Nscho-tschi umgebracht haben, das verzeihe ich Ihnen nie.'" Adorf stellte auf der Messe sein neues Buch "Schauen Sie mal böse. Geschichten aus meinem Schauspielerleben" (Kiepenheuer & Witsch) vor.
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