Absonderlich­kei­ten in der Kunsthalle Wien

"Das Kabinett des Jan Svankmajer: Das Pendel, die Grube und andere Absonderlichkeiten" so der sperrige Titel der Schau, ab 7.9.

Er beeinflusste Tim Burton, Terry Gilliam, Henry Selick und Darren Aronofsky und gilt als Legende unter den Cineasten. Trotzdem kennen ihn fast nur Liebhaber des Animationsfilms. Jan Svankmajer. Seines Zeichens tschechischer Künstler und Trickfilmmacher. Vom 7. September bis zum 2. Oktober stellt die Kunsthalle Wien eine Auswahl seiner Werke zur Schau.  

Bildinfo: Detail aus: Natural History, 1972-73 Svankmajer wurde 1934 in Prag geboren und lebt bis heute in der Stadt, die André Breton "die magische Hauptstadt Europas" nannte. Er studierte zuerst an der Prager Hochschule für darstellende Kunst (AMU) und anschließend an der Prager Akademie of Performing Arts am Institut für Puppentheater. Stark vom sowjetischen Avandgarde-theater und -film beeinflusst, gründete er das "Theater der Masken" am Prager Semafor Theater.

Bildinfo: Natural History, Tableau 3, 1972-73 1964 produzierte er seinen ersten Film "The Trick". Zwischen 1972 und 1980 wurde Svankmajer vom kommunistischen Regime mit Drehverbot belegt, jedoch hielt er sich nicht an das Verbot. Wenngleich die Filme nur im Ausland gezeigt wurden. 1988 erschuf er den Kultfilm "Alice", eine dunkle Version von Lewis Carrolls "Alice in Wonderland". Das Spektrum von Svankmajers Schaffen reicht von surrealen zwischen Horror und Humor changierenden Filmen, über sinnlich-skulpturale Objekt- und Materialerkundungen, bis hin zu absurden graphischen Bildkompositionen.

Bildinfo: Still aus/from: The Flat, 1968 Besonders beeinflusst wurde er von den Werken von Edgar Allan Poe und Lewis Caroll, zu denen er sich "mentally on the same side of the river" sieht. Seine Faszination für Poe beschreibt er selbst so:

Bildinfo: Still aus/from: Dimensions of Dialogue, 1982 "Die Wirkung der Geschichten Poes ergibt sich nicht aus ihrer Handlung, sondern aus der Fähigkeit des Autors, Gefühle des Entsetzens hervorzurufen, die der inneren Natur der Charaktere entspringen. Er vermag die intimsten Reaktionen der menschlichen Seele auf diese aus unserem Unbewussten aufsteigende Urangst zu beschreiben, für welche die Situationen, mit denen wir uns konfrontiert finden, nur eine Art explosiver Auslöser sind."

Bildinfo: Natural History, Tableau 10, 1972-73 Svankmajer entwickelte über Jahrzehnte die Stop-Motion-Technik weiter. Die Schnitte kombiniert er mit atmosphärischen Geräuschen. Er will mit seiner Animationstechnik allerdings keine komplette Illusion erschaffen, sondern alltäglichen Gegenständen Leben einhauchen.

Bildinfo: Beast, 1997 Neben seinen Filmen baut Svankmajer Skulpturen aus Muscheln, Knochen, Federn und Vogeleiern. Skelettteile verstorbener Tiere erhalten Porzellanhände und -beine und mutieren zu skurrilen, surrealen und verstörenden Wesen die den Tiefen einer (Alp)traumwelt entsprungen sein könnten. 

Bildinfo: Natural History Cabinet II, 1972 Svankmajer selber sagt: "Surrealismus ist eine Reise in die Tiefen der Seele, wie Alchemie oder Psychoanalyse. Im Unterschied zu diesen beiden jedoch ist es keine persönliche Reise, sondern ein kollektives Abenteuer."

Bildinfo: The Big Adventure Story Roman 3, 1997-98 Die Kunsthalle Wien gibt in dieser Schau erstmals im deutschsprachigen Raum einen Einblick in die Bandbreite von Svankmajers Schaffen und zeigt neben filmischen Arbeiten auch seine skulpturalen Objekte und Radierungen, die ihn als multimedialen Künstler ausweisen.

Info: 
Kunsthalle Wien, Halle 1
7. September - 2. Oktober 
"Das Kabinett des Jan Svankmajer: Das Pendel, die Grube und andere Absonderlichkeiten"

Bildinfo: The Big Adventure Story Roman 4, 1997-98

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(KURIER.at / moe) Erstellt am
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