© A Perfect Circle

Kultur
12/17/2018

A Perfect Circle in der Stadthalle: Tanz der Elemente

Druckvoll und emotional präsentierten sich A Perfect Circle am Sonntag in der Wiener Stadthalle. Für Smartphones war kein Platz.

von Peter Draxler

Man muss sich Billy Howerdel als glücklichen Menschen vorstellen. Im April hat seine Band, die US-amerikanischen Alternative Metaller A Perfect Circle, das erstmals seit 14 Jahren neues Material vorgelegt. Gestern standen die Kalifornier auf der Bühne der Wiener Stadthalle: Howerdel an der Gitarre unterstützt von Greg Edwards, Matt McJunkins am Bass, Jeff Friedl am Schlagzeug und – als Elefant im Raum: Maynard James Keenan am Mikrophon.

Der Weg dorthin war freilich steinig: Mit Keenan, der wahrscheinlich besten Stimme im zeitgenössischen Metal, arbeitete Howerdel akribisch an neuen Songs, legt dem Sänger, der auch Frontman der Progressive Metal-Götter Tool ist, Songskizzen vor und überarbeitete diese nach den Wünschen Keenans. "Ich bin sein Dienstleister", erklärt Howerdel gegenüber dem KURIER vor dem Konzert.

Oft werden Howerdels Ideen dabei in ihre Einzelteile zerlegt und neu zusammengesetzt, de- und rekonstruiert. Auf dem im April erschienenen Album Eat The Elephant resultierte dies in überraschend ruhigen, reduzierten Klängen, über denen Keenans Stimme schwebt.

Live ist das allerdings eine andere Sache: Das Rhythmus-Duo McJunkins/Friedl bringt einen derartigen Druck auf’s Parkett, dass man fürchtet, die sphärischen Elemente des Perfect Circle-Sounds könnten untergehen. Doch schon der Opener Eat the Elephant, gleich gefolgt von Disillusioned macht klar, dass die Gitarrenfraktion und Maynard James Keenan – trotz leicht angegriffener Stimme – die Aufforderung zu Tanz annehmen.

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Unterstützt von einer gleichermaßen reduzierten wie eindrucksvollen Lightshow spielt sich die Band quer durch das gesamte Repertoire. Mit The Hollow vom 2000er Debüt Mer de Nomes holt man die Fans der ersten Stunde ab, das folgende Weak And Powerless war der Hit zu Zeiten des bislang letzten Wien-Konzerts im Jänner 2004. Spätestens da sind alle im Publikum an Bord.

Für ein Rockkonzert ist es eine durchaus ungewöhnliche Inszenierung, die A Perfect Circle da liefern; allerdings handelt es sich auch um eine ungewöhnliche Band. Howerdel und Keenan wird wechselweise nachgesagt, der Frontman zu sein. Auf der Bühne steht Howerdel im Rampenlicht, Keenan agiert über große Teile unsichtbar, bestenfalls von hinten beleuchtet, während seine Stimme die Halle bis in den letzten Winkel flutet.

"Mir ist wichtig, dass wir den Leuten eine gute Show liefern, sie unterhalten und sie die Show genießen können", sagt Howerdel. "Dafür arbeiten wir hart und geben unser Bestes." Dazu beitragen soll ein rigoroses Smartphone-Verbot während der Konzerte. Dieses wird schon vor Beginn mehrfach angekündigt und für den Fall eines Verstoßes mit Saalverweis gedroht. Als sich trotz allem – vereinzelt – Displays sehen lassen, urgiert Keenan: "Put your phones away and we will continue!"

Das Resultat: Ein Konzert, bei dem sich die Besucher auf die Performance konzentrieren und das auch können, weil sich das Gegebene nicht auf Dutzenden kleinen Displays widerspiegelt. Wie störend das ist, wird einem erst am Ende des Closers Delicious klar, als Keenan – bereits abgegangen – verkündet: „Now is the time to put out phones!“

Die letzten zwei Minuten des 90-minütigen Sets dürfen Unbelehrbare im Kleinformat bannen, bekommen also auch noch ihre Erinnerungen. Der überwiegende Rest der Besucher kann ein intensives Konzert ungestört erleben. Man muss sich Billy Howerdel als glücklichen Menschen vorstellen.

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